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Von Elefanten, Hebammen und Samenspendern

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Von Elefanten, Hebammen und Samenspendern | story.one

Der errechnete Geburtstermin ist fix. Ich bin aufgeregt und fühle, wie in mir etwas wächst. Nach vier Kabarett-Duo-Programmen und unzählbaren Theater-Ensembleauftritten, arbeite ich nun an meinem allerersten Kabarett-Solo-Programm. Das hätte ich mir vor zwei Jahren nie zugetraut.

Doch alleine schaffe ich diese Geburt nicht. Obgleich meine geliebte Geliebte bei der Geburt unserer ersten Tochter fast das Gegenteil bewiesen hat.Ich aber brauche Hilfe.

Zunächst beginnt alles wie immer, mit einem leeren Blatt Papier und einer zündenden Idee. Einen Titel habe ich bald gefunden. Er lautet: “Unter Tauben”. Das passt gut in die Zeit, ist doppeldeutig und animiert zum Mitdenken. Im Idealfall zum Zuhören und im allerbesten Fall führt er viele Zuschauer ins Theater.

In welchem Kreißsaal soll “mein Baby” das Licht der Welt erblicken? Michael Auernigg, Direktor des Theaters am Alsergrund, nennt mir den 10. 11. 2020 als Geburts-(Premieren-)termin. Michael ist mir ein vigilanter Stückleser, ehrlicher Feedbackgeber und wahrer Freund; ich sein Trauzeuge.

Ein solcher Glücksfall ist auch Clemens Maria Schreiner (CMS). CMS ist für mich personifizierter Support und Mitinitiator, quasi Samenspender meines Solos. Letzteres wurde er, weil ich bei seiner Vorstellung “Solo” schwanger wurde. Support, weil es ohne seine altruistische Hilfe keine Fotos, kein Plakat und kein Buchcover von mir gäbe. Von der polierten neuen Homepage ganz zu schweigen. Aktuell ist er vor allem Jungvater und österreichischer Kabarettpreisträger.

Dennoch quält mich eine Frage: Bei wem soll ich meinen Geburtsvorbereitungskurs absolvieren? Ich frage dielieben, perfekten Hebamme Leo Lukas. Er ist ein wahrer Glücksgriff. Mit viel Gespür lotst Leo mich und mein Stück durch diese pandemischen Zeiten. Als Mentor und Regisseur steht er mir in meiner hochschwangeren Situation ausdauernd bei. Wir wissen, es wird eine langwierige Geburt.

Nicht vergessen möchte ich an dieser Stelle meine unvergleichliche Choreografin Johanna Mucha, die in mir die Tanzlust geweckt hat, sowie meine treue Agentin Angie Ott.

Und da ist noch meine geliebte Geliebte. Sie ist meine gnadenlos kritische Thalia, meine beständige Feedbackgeberin und eine schier unerschöpfliche Ideenspenderin. Ohne sie ginge nichts. Sie brachte mich auf den Gedanken, den Künstler Clemens Kogler zu bitten, ob er sich meines Plakatsujets annehmen wolle. Er setzte meine Vorgabe zum “Schrei” von Munch eindrucksvoll um.

Meinen Hebammen habe ich in dieser surrealen Zeit viel zu verdanken. Sie alle haben mir bei der Entstehung meines Kabarett-Programms geholfen und unterstützen mich mit Atemübungen bis zur Geburt. Die Premiere wurde auf den 28. 9. 2021 verschoben. Ich fühle mich kugelrund und frage mich: “Wie lange tragen eigentlich Elefanten?” Die Antwort lautet: 20 bis 22 Monate. Ich bin ein schwangerer Elefant und noch in der Zeit. Übrigens … mein Babyelefant entwickelt sich prächtig.

© Martin Buchgraber 2020-11-20

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