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#Afrika#reisen#spiritualität

Gammu in N´diguel

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Gammu in N´diguel | story.one

Die Trommeln werden leiser. Als würden sie sich entfernen. Tumm, dum, tumm, dum … Jetzt höre ich nur mehr zwei, … nun geht auch die letzte … dum, dum, dum … wohin auch immer … heimwärts …Ich liege in meinem Schlafsack. Erst jetzt, im Morgengrauen. Die ganze Nacht bin ich bei den Frauen und Mädchen des Dorfes N´diguel gesessen, am Rand der offenen Gemeinschaftshalle. In der Mitte unter dem ausladenden Holzdach Männer, die mit Holzstöckchen auf die Trommeln schlagen, die mit einem Lederriemen befestigt, vor ihren Beinen hängen. Auch einige Buben sind in dem Kreis, der von einem weiteren umschlossen wird. Großgewachsene Männer, die sich zum Klang der Trommeln rhythmisch im Kreis bewegen, gegen den Uhrzeigersinn. Körper an Körper. Ganz nah. Zikr singen. Mit der rechten Hand zeitweise ein Ohr oder auch beide zuhaltend, um leichter in Trance zu geraten. Das “La ilaha illa llah (Es gibt keinen Gott außer Gott)” im Kopf zu halten. Es ist das Geburtsfest des Propheten Mohammed, im Senegal “Gammu” genannt.

Die Frauen tragen Turban oder Schleier, bodenlange Kleider in kräftigen Farben, sitzen, sehen den Männern zu. Mitsingen ist ihnen nicht gestattet. Ihre Männer sind Baye Fall, Mitglieder einer Sufi-Bruderschaft, und in bunte Patchworkgewänder gehüllt, die mit breiten Ledergürteln um die Hüften zusammengerafft sind. Einige Füße stecken in Socken. Die Nächte in der Sahelzone sind kühl.

Die Trommeln sind laut. Intensiv dröhnen sie. Der Kreis der tanzenden, sich im Trommelrhythmus wiegenden Körper fasziniert mich. Berauschende Freude. Ich spüre die spirituelle Energie. Intensiv. In der Luft. In den Menschen. Auf meiner Haut. Würde am liebsten in den Kreis treten. Mittanzen. Mitsingen. Kann nicht. Darf nicht. Zur Stärkung Café Touba trinken. Er ist heute für Frauen und Kinder. Für die Männer Café Manuscha, die noch pfeffrig-bittere Variante. Beide stark gesüßt.

Morgen ist Vollmond und ich werde eine Audienz bei Marabout Mame Massamba haben. Der spirituelle Lehrer ist weit über hundert Jahre alt, wird mir gesagt, der älteste Mann Senegals. Ich bin mir der Ehre bewusst. Bin aufgeregt, kann nicht schlafen, döse nur. Bis zum Mittagessen. Am frühen Nachmittag werde ich zu einem der weißgetünchten Haus geleitet. Der Sand, der in meine Sandalen kriecht, ist heiß. Die Sandalen ausziehen, bevor ich eintrete. In der Mitte des Raums ein breites Bett. Darauf der Greis. Neben ihm steht ein junger Mann, der ihm hilft, sich aufzurichten.

Die Lebensmittel, die mitzubringen mir aufgetragen wurde, mit beiden Händen dem uralten Mann überreichen. Vor ihm kniend, selbstverständlich. Die Kolanüsse mit der rechten Hand, wird mir zugeflüstert. Ich weiß ja, ich weiß. Bin nervös, eine Nuss fällt mir fast aus der Hand. Dennoch erhalte ich einen Segen. “Gehe zurück und kehre in Frieden wieder”, hat der Marabout gesagt, wird mir übersetzt. “Inshallah! Wenn Gott will", antworte ich.

© MaschataDiop 2021-02-22

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