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#freundschaft#südafrika#township

Interview im Township

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Interview im Township | story.one

“That´s Yellow from Holland”, sagt meine Freundin Lindeka, die Fotografin. Ein weißer Riese steht vor mir. Er will in Langa, dem ältesten Township Kapstadts, Interviews machen. Zum Thema “Landfrage”: Sollen die Weißen enteignet werden, wie Populist Malema fordert? Das Land an alle verteilt werden? Gratis?

Langa, auf isiXhosa “Sonne”, liegt 15 km vom Zentrum entfernt. "Da! Abbiegen“, sagt Lindekas Mann Mzwabantu, der im klapprigen Mietauto neben Yellow sitzt. Am Straßenrand wendet ein Mann Hühnerbeine auf einem Rost. „Molo!“, grüßt Lindeka. Ob wir hier parken können? „Ja“, sagt Alex, der Hendlhaxnverkäufer. „Stellt den Wagen neben das Polizeiauto dort. Ich hab´ ein Aug` drauf!“ Er streicht sich über die Schürze und meint, ich soll meine Tasche unter meiner Jacke verbergen.

Yellow hat Blickkontakt mit einem jungen Mann vor einer Blechhütte, quert die Straße. Lindeka folgt Yellow. Ich folge Lindeka. Mzwabantu folgt mir. Er ist unser Bodyguard. „Vor ein paar Jahren“, sagt Lindeka, „bin ich allein gegangen, überall hin, in jedes Township. Habe mit den Menschen gesprochen, Fotos gemacht. Das ist jetzt zu gefährlich“.

Musa, der junge Mann, ist bereit, ein Interview zu geben. Über die Landfrage. Und über das Leben im Township. Wir gehen hinter ihm durch die Siedlung. Manchmal müssen wir uns seitlich drehen, so eng stehen die Shacks. Der Sandboden ist feucht. Ein Windstoß weht Plastikmüll über die Blechdächer, ins Gewirr der Stromdrähte. Ein älterer Mann sitzt vor einer Shebeen, einer informell betriebenen Bar. Zwischen seinen Füßen steht eine Bierflasche. Eine Frau wäscht ein grünes Hemd in einem türkisen Plastikbottich vor ihrer türkisfarben gestrichenen Hütte. “No”, sie will nichts sagen zur Landfrage. Fotografieren darf ich sie.

Ein Mädchen macht Handstand, sieht mich stolz an. Ein älteres hängt eine rote Hose, ein rosa T-Shirt, weiße Schuhbänder auf die Leine vor einer blauen Baracke. Ich fotografiere. Die Kinder freuen sich. Yellow hockt in Musas Holzhütte, stellt Fragen, filmt. Musa sitzt auf einem Sofa mit roten Pölstern. Ab und zu hebt sich seine Stimme, klingt empört. Ich sehe, dass Yellows Hände zittern.

„Let´s go", sagt Mzwabantu. “Männer rotten sich zusammen. Sie sagen, die Journalisten kommen und machen mit unserem Elend Geld!“ Wir verabschieden uns eilig. Versprechen, Fotos zu schicken. Gehen zum Auto. Ignorieren die Männer an der Ecke. Yellow dreht den Zündschlüssel. Der Motor springt nicht an. Auch nicht beim 2., nicht beim 3., nicht beim 4. Versuch. Mzwabantu steigt aus, winkt Alex heran. Sie schieben. Ich will mithelfen. Nein, Lindeka und ich sollen sitzen bleiben. Yellow soll aussteigen. Plötzlich sitzt ein fremder Mann hinter dem Steuer. Ich schlucke. Atme leise ein und aus. Der Motor springt an. Der Unbekannte steigt aus, Yellow und Mzwabantu ein. „Schnell weg!“ ruft Lindeka. Als der Wagen kurz vor der Kreuzung ruckelt, halten wir die Luft an. Und atmen tief aus, als wir auf die N2 einbiegen.

© MaschataDiop 2021-05-06

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