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Die Schulschnecke (Halloween-Story)

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Die Schulschnecke (Halloween-Story) | story.one

Es war einmal ein SchneckenmĂ€dchen, nennen wir sie Suki, und Suki ging wie andere auch zur Schule. Normalerweise tut sie es gerne, sie versucht mit den anderen Schritt zu halten, obwohl sie nicht so schnell beim Denken ist. „Ich weiß, dass ich langsam bin!“, sagte Suki auch ihrer Lehrerin heute wieder, aber man sah sie an als sei sie von einem anderen Schneckenstern und sie hinterlasse eine giftige Schleimspur. Das macht Suki sehr traurig.

Auch weil alle wissen, dass Suki eine Ehrenrunde in der letzten Klasse gedreht hat, weil sie eine Zeitlang fort war, an einem Ort wo Schnecken, die sich nicht gut fĂŒhlen besser fĂŒhlen sollen. Es dauerte lange bis Suki wieder in die Spur fand, sie stabil war wie die Therapeuten meinten, aber die Genesungsmonate setzten Suki schwer zu.

Alle lachten ĂŒber sie als sie wieder am Unterricht teilnahm und auch ihre MitschĂŒler wussten bereits, Suki wird die Klasse nicht schaffen. Auch ihre Lehrer, die mit Sukis Mutter sprachen, stellten sie schon darauf ein Suki wird die Klasse wiederholen mĂŒssen, weil sie den verlorenen Stoff niemals nachholen kann. Dabei konnte Suki doch nichts fĂŒr ihren Klinikaufenthalt, oder doch? Aber darĂŒber schreiben wĂŒrde zu lange dauern.

Suki ist nicht blöde, das war sie nie, außer in Mathe, aber da sie auch EinkĂ€ufe alleine erledigt kann es um ihre RechenkĂŒnste doch nicht schlecht stehen, oder? Jedenfalls wird sie in der neuen Klasse wie eine AussĂ€tzige behandelt!

„Ich weiß, dass ich langsam bin aber ich gebe mir echt mĂŒhe“, wies Suki auch heute wieder in einer anderen Stunde hin. Doch es lachten alle ĂŒber sie. Suki fĂŒhlte sich allein, weinte nach dem Unterricht und ging aufs Dach.

Als sie von oben auf den Schulhof blickte standen ihre MitschĂŒler der Gesamtschule abseits, rauchten Zigaretten oder Joints, und es gab eine Zeit wo auch Suki mit ihren damaligen MitschĂŒlern in einem heimlichen Winkel saß, sie mit ihnen rauchte um den Stress der nĂ€chsten Stunde leichter zu ertragen, oder um private Probleme nicht allzu schwer wirken zu lassen. FĂŒr eine Zeitlang dankte Suki der Flucht in diesen heilsamen Drogennebel.

Suki weinte auf dem Dach und der Herbstwind kĂŒhlte ihre heißen TrĂ€nen. Es tut weh so langsam zu sein, selbst fĂŒr eine Schnecke! Es tut so außerordentlich weh alleine zu sein, selbst zwischen all den anderen!

Suki dachte an ihre Mutter, sie erwarte bestimmt großes von ihr, jetzt wo es nur sie Beide gibt, sie der Rest an Familie sind. Es tut weh so unnĂŒtze zu sein, dabei trat sie immer nĂ€her an den Dachrand. Es tut so weh sich wertlos zu fĂŒhlen, weinte sie weiter, und blickte hinunter auf den Schulhof und der Höhenunterschied machte ihr nichts aus. Denn hinter ihrem TrĂ€nenschleier sah die Welt viel klarer aus.

Und Suki holte nochmals tief Luft





Und dann klingelte ihr Handy.

Und dann wischte sich Suki die TrÀnen fort.

Eine SMS. Eine SMS von ihrer ehemaligen Zimmergenossin in der Klinik.

“Hallo, du Hexe, na geht’s dir gut? Hab lang nix mehr von dir gehört.“

Las Suki und trat vom Dachrand zurĂŒck.

© Mia Kern 2021-10-14

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