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#festival#flugangst#zirkus

EUCIMA

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EUCIMA | story.one

Das Zirkusfestival wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Es fand auf dem Areal eines UniversitĂ€t-Campus in Madrid statt und wurde als ehrenamtliches Projekt von einer Studentenorganisation veranstaltet. Das viertĂ€gige Festivalticket war gĂŒnstig und alle Workshops wurden gratis angeboten. DafĂŒr waren alle Besucher:innen dazu aufgerufen, Arbeitsschichten wĂ€hrend des Festivals zu ĂŒbernehmen. Dazu konnte man sich selbstverantwortlich eintragen. Außerdem gab es zwei wirklich gute Shows zu bestaunen. Was fĂŒr ein GlĂŒck, dass ich von diesem Festival erfahren hatte! NatĂŒrlich traf ich auch dort auf Freunde aus Granada und so war das Ankommen am GelĂ€nde sofort von Wiedersehensfreude begleitet.

Gleich am ersten Festivaltag wurde außerdem ein Workshop von den Madrider Clinic-Clowns gehalten, an dem ich begeistert teilnahm. Aus der Aufgabenstellung heraus improvisierten wir eine witzige kleine Szene, in der ich eine absurde kurze Geschichte erzĂ€hlte, die die anderen pantomimisch interpretierten. Die Szene war gut angekommen und ich sprach mit der Workshopleitung ĂŒber meine bisherige Erfahrung im “Social Clowning” und wie berĂŒhrt ich davon war. Sie legte mir nahe, bei den Clinic-Clowns oder einer Ă€hnlichen Organisation zu arbeiten. Diese Idee fand durchaus Anklang in mir. Beschwingten Schrittes schlenderte ich ĂŒber das FestivalgelĂ€nde und stolperte dabei zufĂ€llig ĂŒber etwas buchstĂ€blich Atemberaubendes: ein Flugtrapez!

Vor aufgeregter Begeisterung musste ich kreischen, als wĂŒrde ich Achterbahn fahren. Nur vom Zusehen.

Gebannt und gefesselt kam ich den ganzen Tag nicht weg. Ich saß einfach da und bestaunte das Geschehen am Trapez. Es schien mir so anregend, aufregend, verlockend und gleichzeitig unvorstellbar scheußlich. Ich sah Stunde um Stunde zu, konnte mir gelegentliche Kreischer nicht verkneifen. Am Ende des Festivaltages kam der Leiter der Trapez-Crew auf mich zu und wollte mir den Gurt umschnallen, mit der Aufforderung, es selbst auszuprobieren. Ich schĂŒttelte entsetzt den Kopf und blieb standhaft in meiner Weigerung. Er konnte mich jedoch dazu breit schlagen, mich fĂŒr den kommenden Tag in die Liste einzutragen, um es dann zu probieren. Am nĂ€chsten Tag konnte ich es nicht tun, es regte mich immer noch zu sehr auf. Ich vergab meinen Platz und sah noch einmal stundenlang zu, diesmal bereits entspannter. Meine Beobachtungen zeigten mir, dass wirklich alle möglichen Menschen mit unterschiedlichen Körpern, Altern und Erfahrungen das Flugtrapez probierten und niemals etwas Schlimmes passierte, es war nie ein Mensch in Gefahr gekommen. Das Team, welches das Trapez betreute und die Menschen sicherte, war wirklich vertrauenswĂŒrdig. So versprach ich mir selbst, nicht abzureisen ohne es probiert zu haben.

Erst einmal wurde jedoch gefeiert, es war Renegade-Abend auf dem Festival, und lustige Pilze trugen mich mit Freunden durch eine lange, bunte Nacht in ein ordentliches Hang Over


© Miriam Strasser 2021-07-16

Festivalstories

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