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Jede*r kann tanzen, Teil 1

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Jede*r kann tanzen, Teil 1 | story.one

Es gab einst einen kunterbunten Zirkus-Clan, den führte die große Mamatrone an. Sie war die verwegenste Wanderrättin weit und breit. Stacheldorn-Piercings schmückten ihren Körper, aus Katzenfellen machte sie sich ihr Kleid. Die Shows ihres Trupps waren stets gut besucht. Da gab es zu sehen: Lenni, den magischen Eidechsen Akrobaten, den Wahrsager Le Skunk, der wusste zu lesen die Karten, Mathilda, die versierte Vogelspinnen Jongleuse, Karla, die kecke Kellerassel Dompteuse. Teil des Trupps waren außerdem noch: der Messerwerfer Johnny Loch, die siamesischen Zwillinge Benni und Bob, die Bauchrednerin Edith Schopf und die MusikerInnen der Gruppe „The FreaksRock“. Doch die Hauptattraktion, das war ganz klar, die stellte der Publikumsliebling Eduard Edwin Emmerich dar. Er war zwischen Hongkong und Idaho wohl bekannt, für seinen extravaganten Schmetterlingsausdruckstanz.

Eduard Edwin liebte es, auf der Bühne zu stehen und war in seinem aufwendigen Kostüm traumhaft anzusehen.

Doch das ist nicht immer so gewesen…

Eduard Edwin war ein gutbürgerliches Kind, sein Vater war Buchhalter, seine Mutter Zahnspangentechnikerin. Für Papa Emmerich war immer schon klar: „Mein Sohn tritt eines Tages in meine Fußstapfen – Eduard Edwin wird selbstverständlich auch ein Buchhalter!“. Seine Mutter, die sich immer eine Tochter gewunschen, wollte selbst eigentlich Balletttänzerin werden - ein Traum den ihr ihre Eltern verhunzten. So wurde Eduard Edwin aufgezogen, zwischen dem Hauslehrer, mit Schwerpunkt Mathematikunterricht, und der Ballettschule der strengen Svetlana Jekaterina Ivanowitsch.

(Beides gefiel ihm nicht wirklich...)

Eduard Edwin war sehr empfindsam und fantasievoll. Lange still zu sitzen, fand er nicht besonders toll. Beim Betrachten der Zahlenreihen im Mathematikunterricht erschloss sich ihm kein Sinn, doch die Zahlen, die verwandelten sich - ja, sie wurden zu Tönen und formten Melodien! Sie wollten sich bewegen, so begann Eduard Edwin stets irgendwann sich zu erheben und ihren Klängen Ausdruck zu geben…

Besonders gerne tanzte er die 8 und die 3, die klangen so tief und weich und hatten doch Rhythmus dabei - wie ein Kontrabass, vielleicht, denn manchmal da schepperte die 3 auch leicht… Die 5 klang freundlich und verspielt zugleich, die 7 trompetete gerne, die 2 war geschmeidig und leicht - kurzum: Die Zahlen tönten ihm wie ein Orchester im Ohr, sie kitzelten seinen Körper und lockten farbenfrohe Gefühle hervor.

So konnte er nie widerstehen, er musste sich einfach bewegen! Sein Hauslehrer allerdings, der hatte gewaltig was dagegen… „Sapperlot nochmal! Was fällt dir denn ein? Lass dieses Rumgehopse, das darf doch nicht wahr sein! Welch ein Chaos, so kann man doch nicht denken! Setz dich hin und beginn deine Konzentration auf die Lösung zu lenken!“, so schimpfte sein Lehrer regelmäßig. Doch so sehr Eduard Edwin sich auch bemühte, er schaffte es einfach nicht…

© Miriam Strasser 2022-03-15

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