skip to main content

#gl├╝ck#theater#zirkus

Nouveau Colombier

  • 60
Nouveau Colombier | story.one

Wegen meiner Flugstunde blieb ich noch ein paar Tage in Madrid. Da ich wusste, mein Freund Sergio ist noch in der Stadt, meldete ich mich bei ihm und er lud mich auf Tapas ein. Zu meiner ├ťberraschung waren einige mehr Menschen anwesend, als ich gedacht hatte. Nicht nur Sergio war da, sondern auch Alex und zwei Personen, die ich noch nicht kannte: Jose Piris und Cristina Collado. Sie wurden mir vorgestellt als der Direktor des ÔÇ×Nouveau ColombierÔÇť, bei dem Alex arbeitete, und seine Assistentin. Das Gespr├Ąch drehte sich schnell um die Schule und bald hatte ich das Gef├╝hl, ich sitze in einem Vorstellungsgespr├Ąch. Mir wurde auf den Zahn gef├╝hlt, das Curriculum genaustens und schonungslos beschrieben, gew├╝rzt mit der Warnung:

Der Nouveau Colombier verlange absolute Disziplin und die Bereitschaft, sich ganz der Schule zu verschreiben. Mir wurde leicht ├╝bel, bei der Vorstellung, doch ich erinnerte mich auch an meinen Wunsch, mich weiterzubilden. Dieses dichte, umfangreiche Curriculum war sehr verlockend. Es w├╝rde hart werden, ich w├╝rde wahrscheinlich leiden aber auch viel lernen. Nicht, dass ich in der Experimental nicht auch etwas lernte. Doch seit geraumer Zeit wollte ich mehr, ein intensives, fokussiertes, regelm├Ą├čiges Training. Ich versprach, es mir zu ├╝berlegen. Mir blieben noch gute sieben Monate bis zum Ende der Bewerbungsfrist f├╝r das kommende Schuljahr. Nun war die Zeit gekommen, zur ÔÇ×CarampaÔÇť zu fahren, um meine hart erarbeitete Flugstunde am Trapez zu nehmen.

Obwohl ich am Zirkusfestival so erleichtert und begeistert nach meinem ersten Flug war, hatte ich jetzt wieder genau soviel Angst wie damals, nur entstand diesmal keine spontane, erheiternde Performance daraus. Nach meinem ersten Flug in dieser Klasse schimpfte der Lehrer mit mir, ich solle nicht so verkrampft verkopft sein, er wisse ich k├Ânne das sehr viel besser, denn er habe mich ja am Festival fliegen sehen.

Nach dem zweiten Flug lobte er mich und gab mir einige Korrekturen. Nach dem dritten Flug sagte er, es sei Zeit f├╝r einen Catch. Das ist, wenn man vom einem Trapez auf das andere fliegt, auf welchem sich bereits eine Person befindet, die einen an den Armen f├Ąngt. Ich wurde noch aufgeregter als ich ohnehin schon war. Jedes Mal, wenn ich die Leiter zur Plattform hinaufkletterte, hatte ich solche Angst, dass ich mich fragte, warum ich mir selbst in meiner Freizeit so etwas antue. Der erste Catch schlug fehl, ich erschrak, weil mir der andere Flieger pl├Âtzlich so nah war. Der zweite Catch war ein Erfolg und es machte richtig viel Spa├č. Am Ende der ÔÇ×FlugstundeÔÇť blieb ich noch eine Weile in der Zirkusschule, um mich mit den anderen zu unterhalten. Der Lehrer des Flugtrapez bot mir an, immer wieder vorbeizukommen und mitzufliegen, falls Platz im Unterricht war. Er biete mir das gratis an, um mein Talent zu f├Ârdern. Madrid war sehr einladend an diesem Tag.

Ich bedankte mich herzlich daf├╝r, doch wollte ich vorerst wieder zur├╝ck nach Barcelona in die La Experimental.

┬ę Miriam Strasser 2021-07-17

Kommentare

Geh├Âre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich ├╝ber Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.