skip to main content

#angst#warum#digitalisierung

Schaumkrone

  • 53
Schaumkrone | story.one

Schau mich an, ich bin da, ich bin Mensch. Die Schaumkrone der Evolution. In der letzten Version 2.0 (oder auch 2020) gibt es für mich keine sichtbaren Feinde mehr in der Natur, trotzdem fürchte ich den Tod umso mehr… Die größte Angst macht mir etwas augenscheinlich unsichtbares: Bakterien und Viren - die wir Menschen zum Teil selbst produzieren.

Einen Affentanz der Angst provoziert die furchtsame Vorstellung, jene unsichtbaren Wesen könnten in uns eindringen und beenden unsere Leben – wir wollen nicht in den Tod gehen, sind nicht bereit unser Ego aufzugeben. Jedoch bereit dazu, selber zu töten: nehmen Leben – Millionen gar – jeden Tag… Diese Seelen sind uns egal, ja wir sehen uns sogar im Recht dazu, denn wir sind Menschen, die Schaumkrone der Evolution.

Erschufen Gott als Abbild unseres Selbst, wandeln als Spiegelbild durch seinen Garten Eden und erzählen uns ein Märchen seiner Schöpfungsgeschichte; sind darin selbstredend die Protagonisten, alles muss sich nach uns richten… Jedes Leben auf dieser Erde will von uns verwendet werden.

Todbringer sind wir – den Tod fürchten wir mehr als alles andere, was uns nicht davon abhält selbst zu töten, täglich anderen Menschen das Leben zu nehmen: durch strukturelle Ungleichheit, Ausbeutung, Umweltverschmutzung, Krieg und Waffengewalt. Sind selbst unser größter Feind, sind uns selbst viel gefährlicher als alle Viren und Bakterien vereint. Sind Menschen, die Schaumkrone der Evolution, surfen auf der Welle der Überbevölkerung, ersinnen Wege zu expandieren, unsere Ideen zu optimieren, das Leben zu kontrollieren -insbesondere den Tod – den Ort, an dem unsere größte Angst wohnt.

Entpersonalisiert können wir ihn vertreten, wollen ihm nur nicht selbst in die Augen sehen, instrumentalisieren ihn zur Beherrschung von ganzen Menschenmassen, dieses dunkle, Sanduhr und Sense tragende, geflügelte Schreckgespenst, durch das sich die Menschen furchtsam necken lassen, um dem Schlächter brav wie ein neugeborenes Schaf, zur Bank nachzutrotten- mit einem Schlag ist es vorbei gewesen: mit der Freiheit, der Seele, dem Leben…

Der Mensch, die Schaumkrone der Evolution, trug seine Menschlichkeit den Schlächtern zur Opferung. Entmenschlicht sich freiwillig, um zur Maschine zu werden, ein Etwas aus Daten und Zahlen; einfach zu verwalten, einfach gleichzuschalten, einfach zu programmieren: um abstrakte Zahlen und unnütze Dinge zu produzieren – folgsam erfüllend das Betriebssystem – eine funktionierende Maschine eben. Die meiste Zeit in Standby, auf Abruf bereit verlangtes zu leisten.

4 Millionen Jahre Mensch – erkennst du dich selbst, wenn du in den Spiegel siehst? Behandelst dich und deine Art mittlerweile wie die Tiere, die du für Nahrungszwecke produzierst: lebenslänglich manipuliert, gehalten in Massen, Fütterung und Lebensbedingungen künstlich geeicht auf maximales Wachstum; zuletzt in den Tod getrieben, um auch daraus noch Profit zu ziehen – bist du damit zufrieden?

© Miriam Strasser 2022-04-27

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich ĂĽber Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.