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#sinndeslebens#innerestimme#krisenzeiten

Sinnkrise einer Existenz

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Sinnkrise einer Existenz | story.one

Ist ein verlorener Mensch verloren, weil er glaubt einen Grund zu brauchen, den er nicht finden kann? Dieser Mensch konnte sich nicht vorstellen, dass dieser Grund frei wĂ€hlbar, einfach jederzeit austauschbar sein könnte. Es schien jenem Menschen zu banal. Dieser Mensch konnte sich nicht damit abfinden, eine BanalitĂ€t zu sein. Ihm war es wichtig, einen guten Grund fĂŒr seine Existenz zu haben, um leben zu dĂŒrfen. Das „Warum?“ war diesem Menschen so wichtig, dass er sich aufmachte danach zu suchen.

So wurde er zu einem Menschen der geht, wie auch andere es bereits geworden waren. Dieser Mensch ging, ohne je Halt zu machen. War sein Körper nicht in Bewegung, war es sein Geist. Wenn der Körper schlief, so wanderte der Geist im Traum weiter. Es gab kein Anhalten. Beim Gehen lernte dieser Mensch, monatelang ohne Schlaf auszukommen. Sein Geist begann zu rasen und drohte, verrĂŒckt zu werden, ein Gefangener seines Körpers zu werden. Dann lernte dieser Mensch im Gehen zu trĂ€umen, zu trĂ€umen ohne zu schlafen. Das war seine Rettung gewesen. Durch das TrĂ€umen erkannte er, dass er sehr krank war. Er wanderte trĂ€umend durch die Welt, auf der Suche nach seiner Heilung. TrĂ€umend begriff er, dass er die Heilung nicht in dieser Welt finden wĂŒrde. Er begriff, dass er endlich schlafen mĂŒsse, um ganz tief in sich selbst zu gehen und die Heilung seiner Krankheit zu finden. Also legte dieser Mensch sich nieder und suchte den Schlaf.

Eine innere Unruhe schwappte gegen den ruhenden Körper, sodass ihm direkt schlecht wurde. Dieser Mensch fĂŒhlte sich seekrank. Sein Geist raste durch die TrĂ€ume, um zu entkommen, doch es gab kein Entkommen. Es gab keinen Ort mehr, alles löste sich auf. Da begriff dieser Mensch was es bedeutete, den Geist los-zulassen. Er fand die Stille, das war seine Rettung, denn beinahe hĂ€tte er sich zugrunde gerichtet. Dieser Mensch schlief viele Jahre und begann zu trĂ€umen. Doch dies war ein anderes TrĂ€umen. Es gab nichts zu beobachten. Dieser Mensch wanderte dabei nicht. Ein unendlicher Raum tat sich auf. Dieser Mensch war der Raum. Dieses trĂ€umen war ein sich erweitern. Sein Geist erkannte, es sei an der Zeit zu erwachen. Dies war seine Rettung, denn beinahe hatte der Geist vergessen, dass es auch noch etwas anderes gab, als zu trĂ€umen und zu TrĂ€umen. Er hĂ€tte beinahe ewig geschlafen. Als dieser Mensch erwachte, erklĂ€rte ihm sein Geist, er sei ein Universum und brauche einen Zyklus, damit es Balance geben könne. So hatte er endlich seinen Grund gefunden: Er war ein Universum und trug Verantwortung fĂŒr viele Formen des Lebens, die den stabilen Wechsel aus Licht und Schatten brauchten.

Dieser Mensch brachte also Tag und Nacht in sein Universum, den Wechsel zwischen hellster Wachheit und tiefstem Schlaf. Er gebar zahlreiche Galaxien, Milchstraßen, Sterne und Kometen, erfĂŒllte es mit Farbe, Form, Bewegung. Dadurch weitete sich dieser Mensch, wurde leichter. Er hatte keine Angst mehr vor dem Tod.

In ihm tanzte es und das war ein guter Grund.

© Miriam Strasser 2022-04-11

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