skip to main content

#nimmsmithumor#saomiguel#azoren

#AzoresLifePartTwo

  • 52
#AzoresLifePartTwo | story.one

Meine rasante Taxifahrt führte mich durch São Miguels Hauptstadt – Ponta Delgada. In dieser Stadt sollte ich nun ein halbes Jahr studieren, die portugiesischen Insulaner kennenlernen und vor allem: Leben!

Die Sprachbarriere war größer als gedacht, offenbar sprachen die wenigsten Taxifahrer Englisch. Ich hatte zwar nicht erwartet nur mit Englisch durchzukommen, aber gehofft hatte ich es irgendwie schon … schließlich bediente ich mich der weltweit bekannten Hand-und-Fuß-Sprache – komisch winken, nicken und Kopf schütteln verstand fast jeder. Vor allem war mir aber Google Maps eine große Hilfe. Mein Taxifahrer kannte nicht alle Straßennamen und daher leider auch meine Adresse nicht. Mit der digitalen Straßenkarte vor Augen und meinem enthusiastischen Genicke wusste er jedoch, wie wir am schnellsten mein Ziel, das Studentenwohnheim, erreichen würden.

Die Hauptstraße südlich beziehungsweise unterhalb von Ponta Delgada war schön breit und gut befahren. Alle großen Busse sowie die Minibusse der Innenstadt trafen sich dort. Touristen und Einheimische tummelten sich in den kleinen, charmanten Geschäften, Cafés und Restaurants. Schaute man während der Fahrt in Richtung Stadt, weg vom Atlantik, waren die „Portas da Cidade“, die noch gut erhaltenen, schwarz-weiß gemauerten Stadttore, bestehend aus drei Bögen, nicht zu übersehen. Die Farben spiegelten sich unverkennbar auch in allen anderen Altbauten wider. Sogar die gepflasterten Fußwege waren mit schwarz-weißen Musterungen und kreativ verlegten Steinen, in Form von Meerestieren, versehen. Natürlich konnte mein Adlerauge diese Details nicht während der rasanten Taxifahrt erkennen, aber den groben Überblick über die Schönheit der Hauptstadt bekam ich ziemlich schnell.

Aus welchem Grund ich so viele Taschen mitgenommen hatte, konnte ich mir schon am Flughafen nicht mehr erklären. Das Stundentenangebot von Azores Airlines, die Möglichkeit Sondergepäck aufzugeben, sofern man unter 27 Jahren alt und Student war, konnte ich wohl einfach nicht ausschlagen. Jeder Fußweg zwischen den Transportmitteln sowie zu meinem Zimmer im Wohnheim war eine Tortur: Bordsteine, Rampen oder Treppen, irgendwie ging es immer hoch oder runter… Ich fragte mich, wie die anderen mit nur einer kleinen Tasche ein halbes Jahr im Ausland überleben wollten und beneidete sie gleichzeitig um ihre Packkunst und offensichtlich leichtere Lösung. Hatten die alle keine Neoprenanzüge dabei? Keine Flossen? Keine drei Bikinis oder vier, fünf Paar Schuhe?… Oder sonst etwas, das man in rauen Mengen unbedingt immer braucht?

Erst nach dieser Reise sollte ich lernen, wie das mit dem leichten Gepäck funktionierte. Für den Moment kam ich um das Gewichteheben jedoch nicht drumrum. Ich nahm die Herausforderung an, wuchtete mein Gepäck fleißig ins zweite Betongebäude, das für die ERASMUS-Studenten angedacht war und freute mich nach der knapp 14-stündigen Anreise endlich anzukommen.

© Naemi Gottowik 2021-02-23

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.