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#toxisch#emotionalegewalt#ysa21

Das Irrenhaus, meine Familie.

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Das Irrenhaus, meine Familie. | story.one

Der ganz normale Wahnsinn, der im Laufe meines Lebens Namen bekommen hat.

Die redet nicht mit dem, der redet nicht mit der, die redet nicht mit der, Streit, Hass, Neid, KrÀnkung, Rache, von der Wiege bis zur Bahre. Von den Nazis getötet, ins KZ verschleppt, Paranoide Schizophrenie, bipolare Störung, Depression, Panikattacken, Psychosen, Alkoholmissbrauch, MedikamentenabhÀngigkeit, Suizidversuche, Suizid. Diagnosen, offiziell, am Papier, mehr oder weniger behandelt, misshandelt. Narzisstische Persönlichkeitsstörungen, Borderlinerinnen, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörungen - mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vermutet.

Jede/r von uns hat ein Leben, trotzdem, auch wenn es noch so kaputt ist und scheint wenn man genau hin schaut. Außen sieht man nur leichte Risse. Uns verbindet so vieles, doch das, wozu uns unsere Familie gemacht hat, wird uns fĂŒr immer trennen.

Jede lĂ€chelnde AnnĂ€herung, in der sich mein Herz so aufgehoben fĂŒhlen wollte, wurde meist kurze Zeit spĂ€ter mit einem metaphorischen Stich in dasselbe Organ belohnt.

“Vertraue niemandem.”

VerbĂŒndet sind wir gefĂ€hrlich, darum musste man uns misstrauisch machen.

Bei den spĂ€rlichen Treffen, weit verstreut ĂŒber die Jahrzehnte meines Lebens, erinnere ich mich an ein Erkennen in den anderen. Ein blindes Verstehen ĂŒber die Mechanismen, nach denen wir funktionieren. Und mein naives Herz ging auf, immer und immer wieder. Wir sprechen dieselbe Sprache. Ich erinnere mich an die Erleichterung, nicht so alleine zu sein mit meiner Wahrnehmung wie mir immer weisgemacht werden wollte. Erleichterung, es gibt doch jemanden, der mich versteht, Hoffnung, auf einen Funken dieses Geheimnisses namens “Familie”, von dem immer alle sprechen. Eine natĂŒrliche Verbindung aus Blut. Doch das Licht, das bei diesen Treffen angezĂŒndet wurde, erlosch meist schneller, als ich beim Abschied die TĂŒr hinter mir zumachen konnte. Keine Antwort auf Nachrichten, keine RĂŒckrufe, nur böse Worte, irgendwo, irgendwann, ohne ersichtlichen Grund. LĂŒgen, verdrehte und verzerrte Wahrheiten und alles war wie immer. Und ich - alleine.

Krankheiten haben aus Opfern TĂ€ter gemacht. Ich will nichts (davon) mehr sein. Ich war immer schon alleine, das weiß ich jetzt. Daher weiß ich auch, dass ich ĂŒberleben kann. Leben kann. Denn im Gegensatz zu ihnen kann ich etwas: mich umdrehen. Gehen. FĂŒhlen. GlĂŒcklich sein. Nicht immer. Nicht immer gerade jetzt. Aber bald.

© Narzisstenkind 2021-05-04

SchattenseitenNarziss(t)engarten

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