skip to main content

Das Tulpenlabyrinth

  • 199
Das Tulpenlabyrinth | story.one

Als Traumgärtner will ich “Paradisisches” in die Welt bringen.

Das gelingt mir auch immer wieder. Der Klostergarten bei den Franziskanern in Salzburg ist so ein Beispiel. Da haben wir ohne viel Geld ein Gartenparadies geschaffen. Und es gibt noch andere EDEN-Projekte, wo es mir gelungen ist, Sehnsucht in die Welt zu erden!

November 2020 - in Coronazeiten.

Ich hatte die Biografie von Bruder David Steindl Rast gelesen. Er schrieb über 1945, als alles in Schutt und Asche. Und von einem Geschenk des holländischen Königshauses an die Stadt Wien ein. Es war eine Ladung mit zigtausend Tulpen. Die Blumenzwiebel wurden in den Parks eingepflanzt und die reiche Blüte im kommenden Frühling bot ein Zeichen der Hoffnung. Diese Zeilen hatten mich sehr berührt!

Als ich mit der Verwalterin von Schloss Hellbrunn Kontakt hatte, brachte ich dieses Bild ins Spiel. Sie war sofort von der Idee begeistert. Und obwohl es schon spät im Jahr war, Tulpen eigentlich schon längst in die Erde eingesetzt sein sollten, bekam ich den Auftrag, Tulpen für das Projekt zu besorgen. Mit dabei war nun auch die Künstlerin Marianne Ewaldt, die seit Jahrzehnten “Labyrinthe” an energetischen Plätzen errichtet.

Es ging noch darum, die erforderlichen 10000 Blumenzwiebel anzuschaffen. Aus Holland bekam ich nach einer Woche eine Absage. Ich bangte schon um das Projekt, als mich der pensionierte Seniorchef der Blumenzwiebelfirma Küpper anrief. Er hatte zahlreiche Telefonate geführt und sogar noch rote Tulpen der edlen Sorte “Darwin Hybrid” aufgetrieben.

Es geschah am 17. November, schon in Zeiten des lockdown, als wir gemeinsam an einem der schönsten Plätze im Hellbrunner Schlossgarten zusammen trafen. Marianne, die für das Labyrinth verantwortlich war. Ich, der das Projekt eingefädelt hatte und für die Blumenzwiebel zuständig war. Und die Stadtgärtner Gerhard und Robert, die uns von der Schlossverwaltung für die Umsetzung zur Verfügung gestellt wurden.

Das Ausmessen gestaltete sich zu einem Akt vollster Präsenz. Von der Mitte aus mit einer gespannten Schnur musste das 18,4 Meter breite Labyrinth genauestens abgesteckt werden. Robert stach nach unserer Messung den Rasen ab. Viel Arbeit ist das für den Weg von an die 250 Meter. Nun waren 7 Stadtgärtner anwesend, die dann auch an einem klaren Morgen zuerst noch bei Minusgraden die Tulpen setzten. Je Meter wurden an die 40 Blumenzwiebeln in den Farben rot, orange und goldgelb angepflanzt. Ein wahres Feuerwerk!

Die Arbeit war vollbracht! Alle waren wir bester Stimmung, in mir breitete sich Ausgelassenheit und eine große Freude aus! Das Projekt Tulpenlabyrinth ist Wirklichkeit geworden!

Ein kleiner Zweifel? Hoffentlich würden sich die Wühlmäuse nicht über unseren Tulpenschatz hermachen? Für sie wäre es ein Haubenmenü.

Ich will diese Gedanken gleich wieder loslassen. Es lebt die Hoffnung, dass im Frühling ein Tulpenfeuerwerk aufblüht und die Seelen der Besucher berührt.

www.traumgaertner.at

© Norbert Kopf 2020-11-29

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.