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Der verhinderte Schauspieler

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Der verhinderte Schauspieler | story.one

Es war wohl dieser Wunsch nach Anerkennung, der mich Schauspieler sein lassen wollte. Der Wunsch nach Applaus und die Freude, sich vor anderen zu produzieren.

Als mich einige LehrerInnen am Ende der erfolgreichen Nachmatura baten, dass ich ihnen Freikarten f├╝r meine Vorstellungen reservieren sollte, sp├╝rte ich den ironischen Unterton gar nicht.

Das Maturazeugnis faltete ich zweimal, um es in meine Hosentasche zu stecken. So legte ich es auch meinem Vater auf den Tisch, der verzweifelt dar├╝ber war und erfolglos mit dem B├╝geleisen versuchte, das Zeugnis wieder faltenfrei zu bekommen. Ich war mir sicher, dass ich es nie brauchen w├╝rde.

Als Komparse spielte ich bei einigen Filmproduktionen mit. Ich erinnere mich noch an die Joseph-Roth-Verfilmung "Hiob" von Michael Kehlmann, wo ich einen Koffer ├╝ber den Bahnhof tragen musste. Kehlmann machte mich damals darauf aufmerksam, dass es bei Filmen ein gro├čes ├ťbel w├Ąre, dass man immer merkte, dass die Koffer, die getragen w├╝rden, leer w├Ąren. Ich sollte mich also bem├╝hen, den Koffer so zu tragen, dass er schwer wirkte. Da ich den Film nie gesehen habe, wei├č ich bis heute nicht, ob ich das gut hinbekommen habe.

Ich spielte auch im Volkstheater unter Karl Paryla in dem St├╝ck "Kaiser Franz Joseph" mit. Dort musste ich gleich zu Beginn des Dramas als Wachsoldat einen S├Ąbel schwingend ├╝ber die B├╝hne laufen. Am Tag nach der Premiere kaufte ich alle Tageszeitungen, um die Kritiken zu lesen. Tats├Ąchlich stand in einer Zeitung auch etwas ├╝ber die Komparserie, was eigentlich sehr ungew├Âhnlich ist, wie ich damals noch nicht wusste. Der Satz wird mir jedenfalls ewig in Erinnerung bleiben: "Die Komparserie agierte etwas h├Âlzern." Das war ein Schlag f├╝r mich.

Ich freundete mich damals mit zwei etwa gleichaltrigen Komparsen an. Der eine war der sp├Ątere Schauspieler Gerhard R├╝hmkorf, den Namen des anderen habe ich vergessen. R├╝hmkorf traf ich knappe 20 Jahre sp├Ąter wieder, als ich mit meinen beiden S├Âhnen die Winnetou-Festspiele in Staatz besuchte. Zu meiner gro├čen ├ťberraschung spielte er den Winnetou. Er erz├Ąhlte mir nach der Vorstellung, dass er mit seinem damaligen Freund immer noch Kontakt h├Ątte. Der spielte bei anderen Karl-May-Festspielen den Old Shatterhand. Beide besuchten in ihrer Komparsen-Zeit die Schauspielschule Krauss und verfolgten im Gegensatz zu mir ihr Ziel konsequent.

Ich hingegen wollte gleich hoch hinaus und bewarb mich am Reinhardt Seminar. Dort muss man zwei Rollen vorsprechen. Die meisten Bewerber nehmen vorher Schauspielunterricht, was mir nicht in den Sinn kam. Bei mir war sich die Jury nicht ganz sicher und so musste ich noch eine dritte Rolle sprechen. Danach kamen die Eleven der Schule, die auch zuh├Ârten, auf mich zu und gratulierten mir. Ich w├╝rde sicher genommen werden. Tats├Ąchlich war es nicht so und daher gab ich die Idee Schauspieler zu werden gleich wieder auf. Offensichtlich war ich nicht ├╝berm├Ą├čig talentiert und ich habe daf├╝r auch nicht gebrannt...

┬ę Norbert Netsch 2020-08-09

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