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#lebensfreude#veränderung#sprache

Elisabeth Schrattenholzer – Künstlerin

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Elisabeth Schrattenholzer – Künstlerin | story.one

Kunst ist ein seltsames Wort. Einerseits liefert es eine klare Botschaft, weil es ja mit Können zusammenhängt, somit muss eine Künstlerin, ein Künstler etwas – was auch immer – besser können als andere. Genauer gesagt, viel besser. Andererseits leitet man auch abwertende Bezeichnungen wie gekünstelt und künstlich von Kunst ab, aber auch positive wie kunstvoll.

Manche Menschen bezeichnen sich selbst als Künstler, wo sich andere nicht sicher sind, ob diese tatsächlich Künstler*innen sind. Es ist ein wichtiger Teil der Diskussion über Kunst, was man als Kunst bezeichnen darf und was eben keine Kunst ist. Warum ist Elisabeth Schrattenholzer meiner Meinung nach eine Künstlerin?

Elisabeth Schrattenholzer kann tatsächlich vieles gut. Ihre Liebe zum Wort spiegelt sich in ihren Reflexionen über Sprache, aber auch in der Lust, in literarischen Werken neue Wörter zu bilden. Im Titel ihres ersten Romans bündelt sie das zur Aussage: “Ich habe das Wort so gern”.

Liebt man das Wort wirklich umfassend, dann will man es nicht nur gut schreiben, sondern auch gut sprechen können. Wohl aus diesem Grund unterrichtete Elisabeth Schrattenholzer an verschiedenen Universitäten nicht nur zu den Themen Poetik, Kommunikation und Macht der Sprache, sondern auch Sprechen. So konnte sie das Wissen aus ihren Schauspielerfahrungen weitergeben.

Im Podcast betont sie die “Wirkmacht” der Sprache; sagen Menschen doch so vieles ohne zu bemerken, was sie damit auslösen. Ihrer Meinung nach gehen die meisten von uns viel zu unvorsichtig mit Sprache um.

Auch diese Zeilen wird die überzeugte Feministin mit Stirnrunzeln lesen, da sich nicht überall eine geschlechtsneutrale Bezeichnung findet und so wird der Autor dadurch schon als Kind des Patriachats entlarvt, auch wenn er sich redlich – und eben manchmal erfolglos – um eine Befreiung von überholten Normen bemüht.

Die verwendete Sprache und die Art des Sprechens offenbaren viel Wahrheit. Im Was kann man vielleicht täuschen, im Wie ist das nicht so einfach. Der Klang der Stimme, in dem sich die Sprechhaltung, der sogenannte Subtext äußert, oder die einzelnen Wörter und Sätze, die ein Mensch verwendet, vermitteln vielerlei zusätzliche Botschaften und Impulse.

Elisabeth Schrattenholzer will ein stärkeres Bewusstsein für die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten zur Weltgestaltung mittels Sprache schaffen. Sie leidet nicht nur unter der Verrohung, sondern bedauert auch, dass durch Vereinfachung der Sprache das komplexe Instrumentarium des Denkens, des präzisen Ausdrucks und letztlich der Weltgestaltung beschädigt wird.

Ihre Wachsamkeit gilt vor allem den in Sprache gegossenen Ungerechtigkeiten. Diese gehören geändert. Sie verankern zum Beispiel immer noch die Vorherrschaft des Männlichen in unserem Zusammenleben. Durch Verändern von Sprachungenauigkeiten kann viel zur Befreiung von Unrecht erreicht werden. – Auch das ist eine Kunst.

Bearbeitet von Elisabeth Schrattenholzer

© Norbert Netsch 2022-07-15

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