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#astronomie#professor#vortrag

Univ. Prof. Gerstbach - Zauber der Sterne

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Univ. Prof. Gerstbach - Zauber der Sterne | story.one

Es gibt wohl kaum jemanden, den ein klarer Sternenhimmel völlig unberührt lässt. Was denkt man, wenn man die vielen Lichtpunkte am dunklen Nachthimmel sieht?

Univ. Prof. Gerstbach ist mit 75 Jahren auch ein leidenschaftlicher Volksbildner und erzählt im Podcast etwas missmutig, dass er von Kindern bei seinen astronomischen Vorträgen meist nach den schwarzen Löchern gefragt wird und Mühe hat, ihnen klarzumachen, dass die sichtbaren Dinge eigentlich zunächst viel wissenswerter als die unsichtbaren sind. Er wäre zufrieden, wenn sie zunächst Sterne und Planeten unterscheiden könnten.

Das ist Wissenschaft, wie man sie sich besser nicht vorstellen kann: Es beginnt mit der genauen Beobachtung und dann analysiert man, was man gesehen hat. Die Analyse versucht man durch weitere Beobachtungen abzusichern.

So scheinen die Kinder auf den ersten Blick völlig unwissenschaftlich zu sein, weil sie sich von dem Geheimnisvollen, nicht Beobachtbaren angezogen fühlen. Man darf ihnen das auch nicht verdenken, liegt doch ein wesentlicher Aspekt jeder Ausbildung darauf, Menschen von unwissenschaftlichem zu wissenschaftlichem Denken zu leiten.

Solche Vorträge sind daher von unschätzbarem Wert, weil sie schrittweise dazu beitragen, die Welt im wahrsten Sinne des Wortes etwas klarer zu sehen. Jeder wissenschaftliche Fortschritt ist auch in dieser Haltung begründet.

Ich denke allerdings, dass die Kinder gar nicht so unwissenschaftlich sind wie sie scheinen. Liegt doch der Ursprung jedes wissenschaftlichen Denkens im Antrieb, Unerklärliches erklärbar zu machen. Das Unerklärliche hat die Menschen dabei immer besonders fasziniert und in frühen Zeiten haben sie sich noch die Mühe gemacht, Mythen zu erfinden, um es erklärbar zu machen. Heute sind wir schon etwas abgeklärter und sagen seit Wittgenstein vielfach, dass man über die Dinge schweigen soll, über die man nicht sprechen kann.

Nun wird das gerade im Rahmen der Astronomie nicht gemacht, sondern es werden ganz im Gegenteil eine Fülle von wissenschaftlich gut fundierten Büchern über die hochkomplexen Zusammenhänge im Universum geschrieben, wo man sich zuweilen auch mehr Dimensionen vorstellen muss als man denken kann und einiges auch noch durch Beobachtung belegt werden muss, was anscheinend schlüssig ist.

Es ist kein Wunder, dass Prof. Gerstbach die Augen der Kinder auf das völlig Klare und Verständliche lenken will, was sie auch tatsächlich in ihrem Alter verstehen können. Und es ist auch kein Wunder, dass die Kinder sich für das scheinbar Unerklärliche und Geheimnisvolle interessieren, da in ihnen offensichtlich dieser Grundantrieb des Menschen bereits fest verankert ist, der letzten Endes dann auch zum wissenschaftlichen Denken geführt hat. So ist es Idealisten wie Prof. Gerstbach zu danken, dass wir nicht nur bodenlos spekulieren, sondern auch lernen, auf festem Boden zu analysieren.

Wie schön, dass der Antrieb dafür der Zauber der Sterne ist.

© Norbert Netsch 2021-10-30

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