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Wann kann man zufrieden sein?

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Wann kann man zufrieden sein? | story.one

Es gibt Menschen, die wollen hoch hinaus, und manche kommen dann auch in der Wahrnehmung anderer weit, weil sie sehr erfolgreich werden. Dazu gehören außerordentliche FĂ€higkeiten und vermutlich auch etwas GlĂŒck.

Ich fĂŒhle mich schon am Ziel meines Lebenstraums "Zeitungsmacher", weil ich eine Zeitung herausgebe, die zwar nur regional an 28.000 Haushalte gratis verteilt wird und mit der man tatsĂ€chlich nichts verdienen kann. Das wĂ€re fĂŒr manche unbefriedigend, und sie hĂ€tten vielleicht schon auf eine andere BeschĂ€ftigung umgesattelt.

Wer aber seinen Lebenstraum nicht lebt, der bedauert das vielleicht einmal. Wenn man es versucht, hat man sich hingegen nichts vorzuwerfen. Laien-Schauspieler, die nie auf einer großen BĂŒhne stehen werden, freuen sich doch ĂŒber jeden Applaus, Schriftsteller, die kaum gelesen werden, sind stolz auf ihr Buch, GeschĂ€ftsleute, denen der große Erfolg versagt bleibt, freuen sich ĂŒber jede Anerkennung ihrer Kunden.

Auch als Lehrer könnte man nur die vielen SchĂŒlerinnen und SchĂŒler sehen, die völlig unbeeindruckt vom gebotenen Unterricht weiterziehen oder aber eben die wenigen, die tatsĂ€chlich dankbar fĂŒr etwas sind, das man ihnen vermittelt hat.

Man muss sich auch etwas trauen im Leben. HĂ€tte ich als FĂŒnfjĂ€hriger nicht Obst verkauft, wĂ€re mir in meinem weiteren Leben alles Unternehmerische fremd geblieben. HĂ€tte ich einer SchĂŒlerzeitung nicht einen Artikel angeboten, wĂ€re ich vermutlich nie im Zeitungswesen gelandet. HĂ€tte ich die Zeitung "Forum Nachmittagsbetreuung" nicht gemacht, wĂ€re ich nicht auf die Idee gekommen, die Zeitung "Der Blick in die Vergangenheit von Mauer" zu probieren. HĂ€tte ich diese Zeitung nicht herausgegeben, hĂ€tte mich niemand gefragt, ob ich eine Zeitung fĂŒr Mauer heute versuchen möchte.

Wenn damit auch das Ende meiner Fahnenstange als Zeitungsherausgeber erreicht war, so bin ich trotzdem froh, dass ich diese vielen Erfahrungen sammeln durfte.

Es sind keine neuen Weisheiten, auf die man im Lauf seines Lebens kommt, sondern es wird einem bewusst, dass die alten wirklich gut sind. Sobald man seine Existenz gesichert hat, geht es im Leben eigentlich nur noch um eines: Sinn! Wer es schafft, in dem, was er tut, einen guten Sinn fĂŒr sich selbst zu entdecken, der wird meist zufrieden und manchmal sogar glĂŒcklich sein.

Der Sinn muss nicht nur darin liegen, dass man allein fĂŒr sich das Richtige findet, sondern vielleicht auch fĂŒr einige andere. Vor ein paar Jahren rief mich eine Frau an und bat mich, in der Zeitung zu veröffentlichen, dass sie Mitglieder fĂŒr eine Tarock-Runde suchte. Einige Zeit spĂ€ter bedankte sie sich, weil sich so viele gemeldet hĂ€tten, dass es mit dem Tarockieren eine reine Freude wĂ€re. Das hat mich fĂŒr einen Augenblick richtig glĂŒcklich gemacht. Man muss nicht die Welt retten, um im eigenen Leben Sinn zu finden und man muss nicht einmal ein großes Projekt machen. Ich denke aber, dass man SEIN Projekt machen MUSS, wenn es nur irgendwie geht...

© Norbert Netsch 2020-08-10

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