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#wahrheit#freundschaft#angst

Was du willst, dass ein anderer verschweige (5)

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Was du willst, dass ein anderer verschweige (5) | story.one

„Muss noch kurz was für die Uni klären, dann komme ich mit“, antwortet Zach.

Eleanor erklärte kurzangebunden, dass sie mit Philippa gehen würde und Theo beschloss, im Wohnwagen zu bleiben um ein Buch zu lesen.

Er hatte das Buch Zach gegeben, weil zwischen seinen dicken Pullovern und Jacken keinen Platz mehr war und Zach naiv auf das Wetter vertrauend packte.

Wahrscheinlich war es in der grünen Reisetasche, aber Theo hatte keine Lust, seine Sachen zu durchwühlen.

Also folgte er Zach und Micah zum See.

Die beiden standen noch am Ufer, als Theo sich ihnen näherte.

Micah klopfte Zach auf die Schulter und trat so nahe zu ihm, dass sich ihre Sweatshirts fast berührten.

Schon wollte Theo nach seinem Bruder rufen, als er sah, wie Micah ihm etwas übergab.

Es war weiß, eine kleine Dose.

Eine Pillendose.

Zach ließ die Dose in die Hosentasche gleiten, dann sagte er etwas, das Theo nicht verstehen konnte.

Als Micah sich umwandte und über die Schulter spähte, drückte sich Theo hinter einen breiten Baumstamm.

Es war der zweite Abend am Lagerfeuer. Zach blieb ungewöhnlich still, flüsterte Eleanor keine Liebesbotschaften ins Ohr.

Er starrte in die Flammen, den Kopf in einer seltsamen Schräglage.

Theo konnte seinen Blick kaum von ihm abwenden.

Das war nicht der Zach, dem eine so glänzende Zukunft prophezeit wurde. Extrovertiert, ein guter Analytiker, redegewandt, aufgeschlossen. Das Vorzeigekind.

Zach würde nie etwas tun, was seinen Ruf in Gefahr brachte. Und Micah wollte immer nur das Beste für seine Freunde.

Theo rieb sich die Augen. Er musste sich täuschen.

„Alles okay?“ Philippa rückte etwas näher zu ihm, dass er ihr Flüstern hören konnte.

„Der Rauch“, erwiderte er.

Dann schwiegen sie, während Eleanor begann, über ihren letzten Familienurlaub zu erzählen.

Sie hatte eine auf eine faszinierende Art langweilige Familie, besonders Gestik und Mimik, mit der sie jede Szene untermalte, waren unterhaltsam.

Philippa das Kinn auf die Handfläche gestützt und lauschte mit halbgeschlossenen Augen.

In dieser Nacht zu schlafen war noch schwieriger als am Abend zuvor. Gerne hätte er noch etwas gelesen, ob das Gedankenwirrwarr zu verdrängen, aber Micah beschwerte sich über das Licht.

Theo rollte sich zur Seite und ließ seinen Blick über die körnigen Silhouetten der anderen schweifen.

Philippa hatte sich zusammengerollt, hielt ein Stück Decke wie ein Kuscheltier im Arm.

Micah lag breit ausgestreckt, beschlagnahmte fast die Hälfte des Wohnwagens für sich und seine Luftmatratze.

Zach schnarchte, hatte einen Arm um Eleanor gelegt.

Etwas raschelte. Eleanor hob vorsichtig Zachs Arm an und streifte die Decke ab. Die Tür quietschte leise, als sie den Wohnwagen verließ.

War das, was Theo am See gesehen hatte, wirklich so passiert? Hatte er sich getäuscht?

Erneut rieb Stoff an Stoff, als sich jemand bewegte.

Erst dachte Theo, Eleanor sei schon zurückgekehrt, doch es war Micah, der ebenfalls nach draußen ging.

© Nova 2021-02-23

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