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Das Ende einer Totengräberkarriere

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Das Ende einer Totengräberkarriere | story.one

In der Herkunftsfamilie meiner Schwiegermutter gibt es einige echte originale Waldviertler, deren erinnernswerte Geschichten oft im Familienkreis erzählt werden und in ihrer Urwüchsigkeit für Erheiterung sorgen.

Es geht in dieser Geschichte um Cousin Florian, ledig, und seines Zeichens Totengräber in einer kleinen Waldviertler Gemeinde. Das Ausheben der Grabstätten kam ihm, ob überschüssiger Kraft und Abreagieren derselben zugute und er übte seine Profession gern aus- bis zu dem Zeitpunkt--da sein erklärter Erzfeind verstarb und der Pfarrer ihn bat, doch die letzte Ruhestätte für diesen zu bereiten. "Den grab i net ein", war der Urton des Totengräbers. "Das musst du aber" , beharrte der Pfarrer und ließ Florian in seinem Groll zurück.

Der Termin der Beerdigung kam näher, das Grab war noch immer nicht ausgehoben. Der Pfarrer, der um die Sturheit und Unbeugsamkeit der Waldviertler und insbesondere seines Totengräbers wusste, rief noch, bevor er zum Requiem in die Kirche ging, den Florian an, um ihn an seine Pflicht zu erinnern und seinem Wunsch Nachdruck zu verleihen.

Die Glocken läuteten, die Feier würde wohl so eineinhalb Stunden dauern und Florian machte sich zähneknirschend an den Aushub des Grabes. Die Zeit war natürlich knapp. Sein Groll auf den Feind beflügelte seine Schaufeltätigkeit und so schaffte er es kaum, bevor der Zug der trauernden Hinterbliebenen die Grabstätte erreichte.

Als dann der Sarg mit dem Erzfeind zur Erde gelassen wurde, stellte sich heraus, dass Florian den Aushub zu kurz bemessen hatte. So blieb der Sag in der Mitte der Grube stecken. Florian wusste sich zu helfen. Er sprang kurzerhand auf den steckengebliebenen Sarg, um ihm den Schubs in die Tiefe zu geben. "Geh eini, du Hund du, hast di scho bei Lebzeiten g'spreizt", fluchte er aus tiefstem Herzen.

Wie unschwer zu erraten ist, war dies seine letzte Tätigkeit als Totegräber- soweit die Überlieferung :)

© PANSILVA 2019-10-15

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