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#seelengemeinschaft

Der Schubs in den Himmel

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Der Schubs in den Himmel | story.one

Dunkel ist der Kirchenraum. Vorne ein kleines Tischchen mit Kerze, Herbstblumen und einem Bild, das die Verstorbene zeigt, wie ich sie kannte, von den Schulmessen, bei denen ich an der Orgel war. Lustige Augen und ein LĂ€cheln auf den Lippen, half sie bei der Vorbereitung des Gottesdienstes, hatte die Ministranten im Blick. Eine hochgezogene Braue von ihr reichte, um die weißgekleideten kleinen Meßdiener zu dirigieren. Auch der Pfarrer schĂ€tzte ihre ZuverlĂ€ssigkeit und Umsicht, wie sie sich um alles kĂŒmmerte. GeschĂ€tzt wurde sie von allen. Das zeigt die Anzahl der KirchgĂ€nger, die sich zur Betstunde versammelt haben. Vom BĂŒrgermeister bis zum Schlossherrn des nahegelegenen Greillenstein sind viele gekommen. Der Vorbeter kĂŒndigt die Lieder an, die gesungen werden sollen und trotz der Masken tönt das erste Lied mĂ€chtig durch das Kirchenschiff. Der Vorbeter waltet seine Amtes. Tröstende Worte fĂŒr die Hinterbliebenen gepaart mit traditionellen SĂ€tzen, die zu einer Betstunde im Waldviertel seit Generationen gehören.

Der schmerzhafte Rosenkranz beginnt . “GegrĂŒĂŸet seist du Maria
” Bald schwingt die betende Schar im Rhythmus des Gebets, unterteilt vom “Vater Unser”. In mir steigt ein Bild von einer sich erhebenden Welle auf, auf der die Verstorbene in den Himmel gespĂŒlt wird. Mit jeder Wiederholung des Gebetstextes scheint das DrĂ€ngen an Gott stĂ€rker zu werden, das verstorbene Menschenkind zu sich zu nehmen.

Meine Maske ist schon feucht und meine Brillen beschlagen sich. Ein verstohlener Blick auf meine Uhr zeigt, dass es wirklich seine Bet STUNDE ist, die wir dem Abschied der Mesnerin gewidmet haben. Noch ein “Vater Unser” fĂŒr die Verwandten, einer fĂŒr die Geschwister und noch einer fĂŒr denjenigen, der als nĂ€chster diesen Weg gehen wird. .. Es ist an alles gedacht.

Meine Freundin Elisabeth, erst vor kurzem verstorben, sagte immer, dass Betstunden wichtig wĂ€ren, um den Übergang in ein Leben nach dem Tod gleitend zu schaffen. Man mag zur Religion stehen wie man möchte, aber ich habe das GefĂŒhl, dem/ der Verstorbenen noch einen letzten Dienst geleistet zu haben . Die Gemeinschaft und der Zusammenhalt der trauernden Gemeinde haben mich sehr beeindruckt.

© PANSILVA 2021-10-03

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