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#gestendermenschlichkeit

Die Stadt der Engel

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Die Stadt der Engel | story.one

Als wir nach einst├╝ndiger Fahrt den Friedhof erreichten, stand das Tor offen, obwohl das angebrachte Schild "immer geschlossen halten" sagte.

Da standen an die drei├čig Gestalten, schwarz gekleidet im vorgeschriebenen Abstand, das Gesicht mit schwarzer Maske verh├╝llt und mir kam ein Bild aus dem Film "Stadt der Engel" in den Sinn. Gespenstisch das Szenario an dem sonnendurchfluteten Friedhof, die Kr├Ąnze artig aufgereiht- ein kleines Loch inmitten des gro├čen Familiengrabes, das schon Gro├čeltern, Tante und nach fr├╝hem Kindstot verstorbenen Gro├čcousin letzte Heimat geboten hatte.

Wir suchten einen Platz in der zweiten Reihe, mit Blick auf das Grab- ich versuchte die Anwesenden zu identifizieren, manche schon lang nicht gesehen. Ein Person fehlte- sie hatte schon im Lebenslauf des Verstorbenen keinen Platz gefunden und so auch heute nicht den Weg zum Abschied.

Die Sonne meinte es gut, zu gut , denn manchmal musste ich- trotz Maske- tief durchatmen, um mein Blut im Kopf zu halten und der aufsteigenden ├ťbelkeit zu trotzen.

Musik aus der Konserve, der Priester kommt aus dem Pfarrhof. Die Gebetsantworten verhallen in den Masken. Er d├╝rfte den Verstorbenen nicht gekannt haben, obwohl dieser in der Gemeinde wohnhaft war. Wieder dieser formelhafte Text- der zu Beginn gleich von der Betroffenheit des Redners ├╝ber den Heimgang seines eigenen Schulfreundes - hier ein bisschen deplatziert wirkend- gest├Ârt wird. Wir segnen- mit Abstand- und Weihwasser, die Vase vor dem offenen Urnengrab f├╝llt sich mit roten Rosen.

Rote Augen, die hinter den schwarzen Gesichtsmasken gr├╝├čen beenden diese seltsame Feier. Wir besuchen noch das Grab des eigenen Vaters, der- nur wenige Meter bergw├Ąrts- schon vor mehr als zehn Jahren seine letzte Ruhe gefunden hat.

Ein St├╝ck meiner Kindheit und Jugend wurde zu Grabe getragen. Ich m├Âchte das Sch├Âne erinnern- alles andere einfach stehen lassen, wie es halt ist......

┬ę PANSILVA 2020-05-01

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