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Eine bemerkenswerte Frau

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Eine bemerkenswerte Frau | story.one

Ich konnte es vorerst nicht glauben, als ich zum ersten Mal in ihr Zimmer kam, dass es ein Hospizzimmer war. Goldblondes Haar, ein altes, aber freundliches Gesicht mit munteren . lebendigen Augen und eine Gelassenheit, die viel Vertrauen in das Leben und was danach kommt, zeigt.Sie freut sich ĂŒber meinen Besuch und bald stellt sich heraus, dass wir viel Gemeinsames haben- die Tatsache, dass wir im oberen Waldviertel, genauer gesagt rund um Waldenstein gelebt haben. Wir finden im GesprĂ€ch gemeinsame Bekannte. ich nehme Kontakt mit diesen personen auf, um fĂŒr Frau B. einiges zu erfragen, was sie wissen möchte. Bei einem nĂ€chsten Besuch erfahre ich, dass sie Geschichten liebt, so bringe ich ein Vorlesebuch und lese vor, bis meine Stimme vom Schlaf der uhörerin unterbrochen wird.Wir unterhalten uns ĂŒber das Waldviertel, frĂŒhere Zeiten, als die junge Frau B. mit dem Fahrrad zur Wallfahrt nach Waldenstein gefahren war. Sie erzĂ€hlte ĂŒber ihren Bauerngarten und dass sie noch heute von der Gartenarbeit trĂ€umt. Dann kommt die Übersiedlung von Frau B. in den ersten tock des Heimes. da sie das Hospizbett zu lange in Anspruch genommen hat.Ich stelle meine Besuche nicht ein, fĂŒttere sie mit Butterbrot samt Marmelade und entlasse sie in den Schlaf sooft es notwendig ist.Dann ein Schlaganfall- meine Besuche auch im Landesklinikum. Frau B. erkennt mich immer sofort, zwar schwach, aber ansprechbar. Sie klagt ĂŒber Übelkeit, das einzige Mal, dass ich sie klagen höre. Dann die RĂŒckkehr ins Heim und die Freude, wieder in "ihrem " Zimmer zu sein, mit Blick auf die Taffa, den Park und die BĂ€ume. Es gibt Besuchstage, an denen wir "nur" reden. Auch nach meinem Hospizkurs, der im gleichen Haus stattfindet, schaue ich bei Frau B. vorbei. Sie atmet schwer, hat viel Schleim-ich hole die diensthabende Schwester, bleibe noch, um sie mit Leerpastetenbroten zu fĂŒttern. Mittlerweile ist es FrĂŒhling geworden. Auf und ab im Zustand von Frau B. an die ich mich kaum gewöhnen kann. Manchmal sitze ich an ihrem Bett, halte die blasse Hand und bete still. Genau am Geburtstag meiner Mutter, ist sie dann gestorben- man hat mich nicht mehr erreicht. Frau B. wird in Kirchberg, ihrem Heimatort begraben. Was ich mir von Frau B. mitnehmen möchte, ist die Art, wie sie Freuder ĂŒber die kleinen Dinge des Lebens zeigte, die BĂ€ume, die Vogelstimmen und die Sonnenstrahlen durch die BĂ€ume. Die Dankbarkeit, die sie ĂŒber alle ihr erwiesenen Handgriffe bereit hatte und die Gelassenheit mit er sie ihre schwere Krankheit und die dazugehörigen UmstĂ€nde ertrug. Frau B. war eine Waldviertlerin, von der man eine Menge lernen konnte.

© PANSILVA 2019-05-30

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