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Gesicht zeigen

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Gesicht zeigen | story.one

Es sind oft nur zwei Worte und ein eingegangenes Mail, die eine Geschichte in Gang bringen, verschüttete oder verdrängte Erinnerungen auslösen und sich wie ein enthemmter Wasserstrom über die Seiten ergießen.....

Ichhatte Gesicht gezeigt- ein verzweifeltes,müdes und erschöpftes- sogar im Fernsehen.Dabei hatte ich mir alles so schön ausgedacht, den neu eingelangten Flüchtlingen im Haus Helina zwei bunte Stunden zu bescheren, mit Malen, sich der Stadt Horn würdig zu erweisen, und- wie viele es taten- mit ihren Talenten zu helfen, wenn schon der Bürgermeister die Vierhundert abgewendet hatte und nun Hundert der Abertausenden Gestrandeten das ehemalige Altersheim bewohnten. Routine hatte ich ja beim Abhalten von Workshops. Farben, Pinsel und Papiere gerichtet , die Malhemden, alles gerichtet. Das Filmteam von "Kreuz und quer" hatte schon einige Events in Horn begleitet und wollte nun auch unsere Zeichen- un Malaktivitäten filmen. Ein zeichnender Kollege mit seiner Frau waren ebenfalls angetreten, um ein kreaives Umfeld in die ehemaligen Sitzungsräume des nunmehrigen Flüchtlingsheimes zu bringen. Aber all meine Erfahrungen nützten mir nichts, denn alle Versuche, den Malwilligen zu zeigen, wie man die Farben verwenden könnte, schlugen fehl, niemand wartete auf Instruktionen, vielmehr wurden Pinsel, Papier und Farben an sich gerissen, meine Bestände in der Box hemmungslos geplündert. Es war wie eine Naturgewalt, die über mich und den Ort des Geschehens hereinbrach und der ich, wegen fehlender Sprachkenntnisse, hilflos ausgeliefert war. Meine Erwartungen waren wohl zu hoch gegriffen gewesen, als dann der Reporter von mir wissen wollte, wie es denn gelaufen wäre, war ich nur mehr ein Häufchen Elend mit einer Menge verschmierter Farbtigel . Ein paar rot weiß rote Fahnen zierten meine mitgebrachten Papiere, Meere mit Palmen und Sonnen...Ich hatte eine perfekte Performance abliefern wollen und war doch- in meinen Augen gescheitert. Wie es die Malenden erlebt haben, konnte ich nicht erfahren. Aufgegben habe ich nicht- nur habe ich mir später Kolleginnen zu Hilfe geholt.

Warum ich die Geschichte heute schreibe? ...weil ich gestern mit den Kids beim Begegnungscafe im Pfarrhof wieder gemalt habe. Schön wars- und wieder gab es Österreich Fahnen.....und diesmal auch Regenbogen.....

© PANSILVA 2019-06-09

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