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SPIRA-TONI UND ADELE

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SPIRA-TONI UND ADELE | story.one

Einst wollte ich die ORF-Sendung “Liebesg'schichten” um das Thema "Reiseg'schichten" erweitern und schrieb an Frau Dr.Elizabeth “Toni" Spira, mit der ich in jungen Jahren in derselben politischen Jugendorganisation war, dass ich nicht mehr allein wie ein Derwisch durch die Welt rasen will. Wenige Tage später ruft mich Namensvetter Peter an, sagt “Se kumman boid drau!”und fragt mich gründlich über Gott, die Welt und mein Leben aus.

Es vergehen nur 7 (in Worten: sieben) Jahre, ich komme im Jänner 2008 gerade aus Nicaragua zurück und finde im Briefkastl eine mehrere Wochen alte ORF-Einladung. Dem ersten “Jetzt könnts mi aber aa gern haben”-Reflex folgt dann doch irgendwann mein neugieriger Anruf, worauf mir ein Termin im Mai avisiert wird. Danach habe ich noch mindestens fünfmal ab- und wieder zugesagt, bis das Filmteam Dr.Spira + Lichttechniker+Kameramann in Salzburg einrückte.

Wir mussten die Aussicht vom Balkon verhängen, weil am Untersberg noch Schnee lag und mein Filmdebüt erst für den August geplant war. Die Toni lässt ihre Beine von meinem zu hohen Sessel baumeln und wir quatschen sofort dahin. Kannst dich an den X und an die Y erinnern. . ? Ich behaupte z.B., dass sie im Jugendchor gesungen hat, sie bestreitet es. Wenn der Regisseur Peter Giczy nicht mit “Jetzt hörts endlich zum Tratschen auf” dreingefahren wäre, palaverten wir heute noch.

Im Interview, in meinem feschen Indigenahemd aus Ecuador, bin ich unerwartet souverän, schwadroniere über meine linke Weltsicht und betone den Wunsch nach ähnlich gesinnter Begleiterin. Während meine Hollywood-Crew wieder in Wien, der Film längst geschnitten war, sagte ich wieder ein paarmal ab und stimmte letztlich doch der Ausstrahlung zu. Kaum war diese im Sommer vorbei, rief mich mein gescheiter Wiener Schulfreund, Dipl.Ing. und Doktor gar, an, um mir die Ansicht seiner Frau mitzuteilen, dass ich einen tollen Eindruck gemacht hätte und in einer Briefflut ersaufen würde. Na ja, es wurden dann so an die 150 Kuverts aus Österreich und Umgebung.

Ich entwickelte ein rationelles System der Brautschau, indem ich zum Beispiel am selben Tag in Wien alle zwei Stunden eine andere Dame vor dem Stephansdom traf, dann in den Zug stieg und in Linz noch ein oder zwei Opfer beglückte. Was ich erlebte, würde den Rahmen dieses bescheidenen Berichts sprengen, daher zum Finale: Eines schönen Oktobertages sollte ich im Seekirchner Strandbad eine Henndorfer Lehrerin treffen. Veritable Chaotin, die sie ist, wartete sie am falschen Badeplatz und fragte dort jeden älteren Herrn, ob er mit dem Radl da sei. Für mich, damals 66, der ich mit einem 10kg-Mountainbike im gelben Trikot des Führenden aus Salzburg angebraust war, eine Beleidigung. Mit diesen 3-Gang- Amateuren in einem Topf! Wir fanden uns schließlich doch noch, sie bezirzte mich mittels Picknickkorb, Schinkensemmeln und Stifterl rot.

Adele wurde auf meine alten Tage die Liebe meines Lebens. Und wenn wir nicht gestorben sind…

© PETER MANDL 2021-01-13

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