skip to main content

Bei der Suche nach dem Sinn des Lebens …

  • 224
Bei der Suche nach dem Sinn des Lebens … | story.one

… kann man was erleben.

Ich versuche in einem Essay eine Formulierung über den Sinn des Lebens zu finden. Diese Definition soll für Menschen jeden Alters, jeden Geschlechts und unabhängig von Nation, Kultur und Religion gelten. Ich nehme dabei Aphorismen von berühmten und weniger bekannten Denkern unter die Lupe, um viele davon auszusortieren, um schließlich zum gesteckten Ziel – einer allgemein gültigen Formulierung – zu gelangen.

Das Manuskript für mein Buch ist fast fertig. Wer mir im letzten halben Jahr über den Weg lief, wurde von mir befragt. Dabei erlebte ich Überraschungen. Manche runzelten die Stirn, dachten nach, andere reagierten betreten, so als hätte man sie darauf aufmerksam gemacht, dass ihr Hosentürl offen steht.

Die Religion liegt auf dem Thema wie der Esel auf dem Stroh im Stall von Bethlehem. Um eine allgemeine Formulierung zu finden, musste ich den religiös ausgerichteten Sinn beiseite lassen, sonst könnte ja ein Atheist damit nichts anfangen.

Novalis schrieb zum Beispiel: „Nur ein Künstler kann den Sinn des Lebens erraten.“ – Nur ein Künstler? – Eigentlich eine Frechheit. (Hätte Novalis „nur“ weggelassen, könnte man den Satz so stehen lassen.) – Jedoch: De mortuis nil nisi bene! Soll heißen: Man soll von den Lebenden nur Böses reden, meinte einst Heinrich Heine.

Eine alte Bekannte verriet mir ihre Ansicht zum Sinn des Lebens: „Der Sinn des Lebens ist zu lieben und geliebt zu werden.“ Sie hätte den Satz einmal auf einem Kalenderblatt gelesen und fände ihn ganz toll. Ihre Begeisterung kann ich aber nicht teilen, denn unter Liebe versteht jeder etwas anderes. So schön der Satz klingen mag, für meine Zwecke ist er nicht geeignet. (Außerdem finde ich, dass es ganz schön stressig sein muss, immer bestrebt zu sein, geliebt zu werden.)

Der Sinn des Lebens wäre zu lieben … Wen oder was lieben? Die Menschen? Ich würde die Menschen ja gern lieben, wenn nicht so viel Gesindel darunter wäre. Ganz im Nestroy’schen Sinn: „Der Mensch ist gut, die Leut’ sind schlecht.“ Vielleicht lieben Menschen deswegen Gott, denn es ist einfach, jemanden zu lieben, der nicht da ist. Jemanden zu lieben, der gerade neben mir sitzt, ist da schon schwieriger. (Vor allem, wenn der, der gerade neben mir im Bus sitzt, ein Neonazi ist.)

Jetzt lasse ich mein Manuskript einigen sehr kritischen Menschen lesen, denn Lob ist schön, aber nur die Kritik lässt mich wachsen. Wenn mir jemand noch seine (kurze!) Sicht über den Sinn des Lebens schicken möchte, freue ich mich. Sollte ich das noch in meinem Buch unterbringen, nenne ich natürlich den Namen bzw. Pseudonym.

Ich freue mich auf Rückmeldungen, danke im Voraus herzlich und wünsche viel Glück in jeder Hinsicht.

© Reinhard Rinnerthaler 2021-04-08

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.