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#haut#verbrennung

Berührungen

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Berührungen | story.one

Berührungen

Ich erinnere mich noch gut an die Klinik, ich war sechzehn und lag hilflos in einem Wasserbett, um die Schmerzen zu lindern.

„Du hast Verbrennungen aller Grade“, sagte eine Madonna zu mir, „es hat dich böse erwischt.“

Sie ist wahrhaftig ein Engel, dachte ich. Unter der Haube der weißen Schwesterntracht lächelt ein wunderschönes Gesicht. „Ich bin Schwester Gemma“, sagte die Frau im weißen Kleid, „ich bin da, um dir zu helfen.“

Ich war unsicher geworden und sagte zu ihr: „Bis jetzt haben mir alle nur weh getan.“ Sie schaute in meine ängstlichen Augen und beruhigt mich: „Vertrau mir, Edith, ich helfe dir und deiner Haut. Wir machen gemeinsam eine Massage, natürlich nur auf deiner gesunden Haut. Bist du einverstanden?“ Ich weiß bis heute nicht was passierte, plötzlich hatte ich keine Angst mehr. „Okay, Schwester ...? Ich hab´ vergessen ...“ Sie schenkte mir ein Lächeln und wiederholte ihren Namen. „Ich bin Schwester Gemma.“

Es gab nicht viele Stellen an meinem Körper, die nicht verbrannt waren und trotzdem höllisch schmerzten. Ich bat sie, mich dort nur sanft zu berühren. Schwester Gemma hatte vorgewärmtes Massageöl dabei. Es war Öl aus Sandelholz und duftete orientalisch oder besser gesagt: himmlisch. Sie massierte mich nicht, sie streichelte. Ich war mir ganz sicher: Niemand sonst darf an meine Haut, nur sie darf mich berühren. Sie ist meine Madonna. Die mit den Zauberhänden.

„Mach die Augen zu, vergiss deine Narben“, sagte sie ganz leise, „du wirst nichts im Leben verpassen.“ Als ob sie wüsste, was mir im Kopf umging, sagte sie zu mir: „Die Schönheit des Brandmals relativiert irgendwann den Wert der Perfektion.“

Das habe ich damals nicht verstanden.

Narben sind geblieben, aber das Wesen der Narbe ist die Abwesenheit des Schmerzes.

© Salzprinzessin 2021-06-11

#alltagsheldInnen

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