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#experiment#friseur#duundich

Zum Schluss der Feinschliff

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Zum Schluss der Feinschliff | story.one

„Und du bist dir sicher, dass du das kannst?“ „Ja“, lüge ich grinsend. Er durchschaut mich natürlich, doch sein Schicksal ist besiegelt. Denn nach monatelangen beiläufigen bis aufdringlichen Bemerkungen meinerseits, hat er dem Plan zugestimmt – und nun gibt es kein Zurück mehr!

Ich schaue ihn prüfend an. Seine glatten Haare hängen schon in die Augen, da kann gut was weg. Am besten fang ich gleich mal vorne an, dann hab ich die passende Länge, an der ich mich orientieren kann.

Schnipp, schnapp.

Ich geh einen Schritt zurück und betrachte mit Kennerblick, was die ersten Schnitte am Stirnansatz hergeben. Hui. Gerade geht anders. „Ähm ... Also ich mach jetzt mal den Rest und um den Feinschliff kümmern wir uns später“, erkläre ich mein äußerst professionelles Vorgehen. Ich versuch's einfach mal mit dem Hinterkopf. Eine Strähne abschneiden und dann alle Haare daran anpassen. Kann ja nicht so schwer sein.

Schnipp, schnapp.

Ist doch schwer. Ich verliere mich komplett in den Haaren und hab trotz beachtlichen Längenverlustes nicht so ganz den Überblick, was ich alles schon bearbeitet habe. Egal, ich werde schon merken, wenn ich fertig bin.

Schnipp, schnapp.

Nach einiger Zeit bin ich im Flow. Kamm und Schere sind mir schon länger nicht mehr aus der Hand gefallen und es macht richtig Spaß. Genau so hab ich mir das vorgestellt!

Schnipp, schnapp.

„Pass bei den Ohren auf, da ist's am schwierigsten.“ „Ok. Hmm … Soll ich da drum herum schneiden oder soll was drüber hängen?“ „Keine Ahnung.“

Schnipp, schnapp.

„Da wird wohl nichts mehr drüber hängen“, lache ich. „Ich probier's mal auf der anderen Seite.“ „Wir sind uns aber schon einig, dass das Ganze symmetrisch werden soll, gell?“ „Jaja, den Feinschliff machen wir dann zum Schluss“, beruhige ich ihn. Er ist beunruhigt.

Schnipp, schnapp.

Ich werke dahin, bis ich das Gefühl habe, mehr oder weniger alle Härchen schon mal zwischen den Klingen gehabt zu haben. Fehlt also nur noch mein angekündigter Feinschliff. Vorsichtig schneide ich an einer imaginären Stirn-Linie entlang. Bei meinen eigenen Stirnfransen klappt das immer recht gut. Hier weniger. Ich betrachte mein Werk nochmal aus etwas Entfernung.

„Haha, oje“, rutscht es mir heraus. „Es war so klar“, meint er trocken. Sein Anblick erinnert mich an meine frühere Lieblingspuppe Susi. Sie war das erste Opfer meiner Scherenexperimente und leider hab ich mit der Kurzhaarfrisur damals nicht so ganz ihren Typ getroffen.

„Ich finde, man sieht, dass ich mir Mühe gegeben habe“, versuche ich den positiven Aspekt hervorzuheben. Aber gut, das will wohl niemand sehen, also hilft nur noch Schadensbegrenzung. Irgendwie müssen die Haare schließlich auf eine einheitliche Länge gebracht werden. Doch ein Profi wie ich hat natürlich auch dafür eine Lösung.

„Ich hol mal den Rasierer. Für den Feinschliff.“

© Sara 2020-05-24

duundichEinfach hairlich!Hoppalas, die uns zum lachen bringenAlltagskomikNOT perfect

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