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#achtsamkeit#familienbande#bruderliebe

Der vergessene Zwillingsbruder

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Der vergessene Zwillingsbruder | story.one

„Ein Herz und eine Seele“ – treffender kann das Verhältnis unserer Enkel nicht beschrieben werden. Vor gut elf Jahren erblickten sie als gesunde Zwillingsbrüder das Licht der Welt. Seither verbringen sie praktisch jede Minute miteinander. Sie verstehen sich ausgezeichnet, finden bei ihren wenigen unterschiedlichen Meinungen schnell wieder einen gemeinsamen Weg. Noch nie habe ich einen auch nur kleinen Streit unserer Wonneproppen erlebt. Mit ihrer positiven Ausstrahlung und ihrem fröhlichen, bescheidenen Wesen begeistern sie alle. Obwohl „zweieiige“ Zwillinge gleichen sie einander sehr. Nur „Insider“ können sie auseinanderhalten. Der um ein paar Minuten ältere Erstgeborene ist ein wenig tonangebender, der andere ein wenig sensibler. Ansonsten gleichen sie auch in charakterlicher Hinsicht einander aufs „Haar“.

Vor kurzem hat sich mit einem Schlag so viel geändert. Beim Erstgeborenen wurde Lymphknotenkrebs festgestellt. Darüber habe ich in meinen Stories „Unser Enkel ……..“ berichtet. Nach wie vor sitzt der Schock tief. Heute beginnt der zweite Block der Chemotherapie. Wir beten darum, dass unser Enkel die Therapie weiterhin gut verträgt und Heilung eintritt. Verständlicherweise dreht sich alles um den Erkrankten. Die Gedanken, die Sorgen, die Hoffnungen sind in jedem Augenblick präsent.

Aber was ist mit seinem Bruder? Was geschieht mit ihm? Wie geht es ihm? Wie kann er mit dem Ganzen umgehen? Wichtige Fragen die zu stellen wir beinahe „vergessen“ hatten. Unser Fokus auf die schwere Krankheit, die belastenden Umstände, auf die hoffentlich eintreffende Heilung beeinträchtigten unsere Sicht.

Rührend wie er sich um seinen Bruder kümmert, wie liebevoll er mit ihm umgeht. Alles, was für ihn möglich ist, zu seinem Wohlbefinden beiträgt. Bei den mehrtägigen Aufenthalten in der Kinderabteilung im Krankenhaus Dornbirn hat er ihn begleitet, ihm Gesellschaft geleistet. Leider ist diese Möglichkeit während der Chemotherapie in der Innsbrucker Klinik nicht möglich. Selbst Interventionen von konsultierten Kinderpsychologen konnten aufgrund der Pandemie daran nichts ändern.

Jetzt muss er lernen viel Zeit, ohne seinen Bruder zu verbringen. Allein zur Schule zu gehen, allein die Hausaufgaben zu machen, allein zu spielen. Kontakt mit anderen Kindern ist möglichst zu vermeiden, damit die Ansteckungsgefahr für seinen durch die Behandlungen immungeschwächten Bruder minimiert bleibt. Die Eltern können den Bruder nur bedingt ersetzen. Alles in allem eine sehr belastende, schwierige Zeit. Er leidet buchstäblich mit seinem Zwillingsbruder mit.

Nun gilt es, ihn bestmöglich zu unterstützen, Verständnis zu zeigen, ihn zu begleiten. Und vor allem ihn miteinzubeziehen, ihm Liebe zukommen und ihn diese spüren zu lassen. Wir vertrauen darauf, dass er seine Erfahrungen gut verarbeiten und in seinem späteren Leben daraus Nutzen ziehen kann.

© Seelenbaumler 2021-04-08

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