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#1sommer1buch#naturerlebnis

...und stahl dem Koch ein Ei

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...und stahl dem Koch ein Ei | story.one

Schön war es, den kreativen Schülern und Schülerinnen beim Anfertigen ihrer täuschend echt aussehenden Nester zuzusehen. Vergnügt und aufgeregt schnatternd streiften sie durch die Aulandschaft, um passende Fundstücke für ihre Brutstätten zusammenzutragen.

Nachdem die Nistplätze alle ausgelegt waren, sollten nun die Hühnereier bemalt werden. So entstanden farbenfrohe Kunstwerke mit Tupfen und Streifen, so wie eben richtige Vogeleier in der Natur vorkommen.

Wir staunten nicht schlecht, als die Kinder ihre fertigen Nester mit den von ihnen präparierten Eiern darin präsentierten. Zwei Gelege von Miriams Gruppe, deren Rand kunstfertig mit Moos befestigt war, während im Inneren abgezupftes Gras dem Gelege ein weiches Lager bereitete, befanden sich am Ufer und waren natürlich für Wasservögel bestens geeignet. Ein anderes Kunstwerk war mit einer dicken Grasschicht eingefasst worden, wobei die Vogeleier auf einer saftigen Moosschicht ruhten. Zwei Nistplätze, die Kinder aus meiner Gruppe liebevoll mit Gräsern, Blättern und Zweigen ausgelegt hatten, befanden sich am Ufer des Gewässers. Solche Brutstätten eignen sich für Stockenten, die bei uns sehr häufig vorkommen.

SchülerInnen aus der 2 b hatten beschlossen, ihre Nistplätze auf einer kleinen Anhöhe in einer Vertiefung anzulegen. Von der Rangerin erfuhren wir, dass der bei uns heimische Eisvogel eine Vorliebe für solche Nistplätze hegt. Angela hatte ein süßes, kleines Nest für Meisen in einem von Bibern abgenagten Weidenstumpf versteckt, während Kinder der 3 c ihr Gelege in einem dichten Gebüsch verbargen, wo es nicht so rasch von Fressfeinden entdeckt werden konnte.

Nun machte unsere kundige Rangerin den Vorschlag, die Nester zu bewerten. Wer besonderen Gefallen an einem Nest fände, der sollte einen kleinen Stein hineinlegen. Gerade als wir mit der Bewertung beginnen wollten, stürzte Moritz keuchend auf mich zu und brüllte mit schreckgeweiteten Augen:

" Marina hat zwei Eier aus unserem Nest genommen und sie - verschlungen!"

Dieses "verschlungen" würgte er so angewidert hervor, dass man meinen konnte, ein Ungeheuer hätte sich auf das Nest gestürzt, um die bunten Vogeleier daraus zu entführen. Die Kinder der kleinen Nestbauergruppe waren natürlich allesamt ganz aus dem Häuschen, als sie den Diebstahl bemerkten. Marina hatte wieder einmal Hunger gehabt und diesen mit den hartgekochten Hühnereiern gestillt. Mit verschämter Miene stand sie hinter dem Nest und ich wusste zuerst gar nicht, ob ich sie tadeln oder über die Heißhungerattacke lachen sollte.

Zunächst bemühte ich mich, ihre zu Recht aufgebrachten SchulkameradInnen zu besänftigen, was rasch gelang, galt es doch, den Wettbewerb um das schönste Vogelnest zu starten. Während sich alle die mit großer Sorgfalt gestalteten Brutstätten noch einmal ansahen, erklärte ich Marina, dass wir die Eier nach dem Wettbewerb ohnehin verspeist hätten. Sie hätte nur ein wenig warten müssen...

© Silvia Peiker 2020-09-22

naturerlebnisDie Zukunft unserer Kinder mitgestalten

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