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Alle für Einen, Einer für Alle

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Alle für Einen, Einer für Alle | story.one

“Die wahren Abenteuer sind im Kopf und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo!” Keiner hat die Kunst des Fabulierens, des Geschichte-Schmiedens so treffend besungen wie André Heller. Abenteuergeschichten boten mir bereits in jungen Jahren die perfekte Gelegenheit, als Zaungast in die spannende und oft gefährliche Welt von Hasardeuren zu schlüpfen und dem manchmal tristen Alltag zu entfliehen.

Ein Roman hatte es mir besonders angetan. Ich konnte diesen Pageturner einfach nicht aus der Hand legen und las ihn mehrere Male gemütlich lümmelnd im braunen Fauteuil im Wohnzimmer, während das Kaminfeuer wohlig knisterte und mich mit seiner Wärme einlullte.

Mit geröteten Wangen und glänzenden Augen wurde ich lesende Zeugin eines Bundes, den ich in dieser Form noch nicht gekannt hatte: Ein junger Draufgänger vom Land wird in einen abstrusen Strudel wilder Intrigen und Kampfhandlungen mitten in der französischen Metropole Paris hineingezogen. Im turbulenten Spiel um Macht und Liebe lernt er drei verwegene Haudegen kennen, die ihm beweisen, wie tief echte Freundschaft reichen kann:

„Strecke die Hand aus und schwöre,“ riefen Athos und Aramis zu gleicher Zeit. Besiegt durch das Beispiel, streckte Porthos unter leisen Flüchen die Hand aus, und die vier Freunde wiederholten mit einer Stimme die von d'Artagnan vorgesprochene Formel:

„Alle für Einen, Einer für Alle.“

Gemeinsam fechten sich die drei Musketiere, die eher einem vierblättrigen Kleeblatt gleichen, durch Dick und Dünn in der von Alexandre Dumas gekonnt inszenierten Scharade um den illustren Kardinal Richelieu und den entwendeten, mit Diamanten besetzten Spangen der Königin. Der Reigen schließt sich mit dem Herzog von Buckingham, dem die französische Monarchin Herz über Kopf in Leidenschaft verfällt.

Mitten im abenteuerlichen Geschehen entflammt D’Artagnon’s Liebe durch einen treffsicheren Blattschuss Amors zur hübschen Kammerfrau Constance. Wie habe ich die rachsüchtige Lady de Winter, des Kardinals Marionette, verabscheut. Denn Aramis gefallene Ehefrau, deren von Richelieu angezetteltes Ränkespiel von den mutigen Musketieren vereitelt wird, entledigt sich der entführten Constance kaltblütig mit Gift.

Das Thema des Klassikers der Weltgeschichte ist aktueller denn je. Auch die Musketiere stecken mitten in einer Krise, die nicht gemeistert, ihr Vaterland in eine kriegerische Auseinandersetzung mit England stürzen würde.

Das zeitlose Motto ALLE FÜR EINEN, EINER FÜR ALL fasziniert und begeistert mich nach vor. Wie schön wäre es, würden wir jetzt einander symbolisch die Hände reichen, den Dialog suchen und uns darauf besinnen, dass alle davon profitieren, wenn wir unser kostbarstes Gut, das Leben unserer Mitmenschen, egal ob jung oder alt, schützen. Dafür brauchen wir keine Degen, es genügen Verständnis und Anteilnahme. Für all jene, die in Sozialberufen ihr Bestes geben:

ALLE FÜR EINEN, EINER FÜR ALLE

Foto: J. Taubitz - danke!

© Silvia Peiker 2021-11-21

Bücherliebe

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