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Am Pappelteich

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Am Pappelteich | story.one

Immer wieder entdecke ich neue, schmale Pfade unter dem noch dichten Blätterdach des Wienerwaldes. Im Herbst lockt mich die grüne Lunge Wiens in ihr schattiges Reich, um Buchecken, Eicheln oder Zapfen zu sammeln. Meine leider schon verstorbene Arbeitskollegin Evamaria hatte mir vor vielen Jahren die besten Stellen verraten, an denen man Naturmaterialien für Gestecke oder Trockenblumensträuße auflesen kann.

Ab und zu hat sie Steinpilze und Parasole, die sie in der Wienerwaldgemeinde Mauerbach gefunden hatte, mit ins Büro gebracht, die wir dann in der Mittagspause gemeinsam mit unserer tüchtigen Putzfee in der kleinen Küche zu einem köstlichen Schwammerlgericht verarbeitet haben. Eine von uns dreien hat die Schwämme geputzt, die andere eine Zwiebel fein gehackt und die dritte im Kochbunde hat dann das Pfannengericht mit Suppe, Creme fraiche sowie Petersilie und Kräutersalz abgeschmeckt. Voilà, ein wahrer Gaumenschmaus!

An diesem Samstag treffe ich selbst auf abseits gelegenen Waldpfaden immer wieder auf verschwitzte Läufer, die sich mithilfe von Karten, einem Kompass und an weißen Bändern orientierten, die jemand vorsorglich um Zweige gebunden hat. Offensichtlich wollen viele junge und ältere Sportbegeisterte an diesem sonnendurchfluteten Samstagnachmittag bei einem Orientierungslauf ihre Fitness selbst in unwegsamem Gelände unter Beweis stellen.

Kurz lausche ich neugierig den kundigen Worten einer Kräuterhexe, die, von wissbegierigen NaturfreundInnen umgeben, auf einer Decke Pflanzen, Wurzeln und Früchte ausgebreitet hat.

So wie ich sind heute viele Gleichgesinnte dem Ruf des Waldes gefolgt, deshalb verspüre ich Lust, am nahen Pappelteich, der an einem der Hauptwege des Maurer Waldes gelegen ist, vorbeizusehen. Seine Einfassung aus Ziegeln und Beton weist darauf hin, dass dieses Gewässer ursprünglich als Badeteich konzipiert worden war und erst später in ein Biotop umgewandelt wurde. Bedingt jedoch durch den niedrigen Wasserstand und eines fehlenden Zuflusses leidet die Tier- und Pflanzenwelt des Gewässers durch lange Trockenperioden in den Sommermonaten, um sich dann wieder bei herbstlich kühler und feuchter Witterung zu erholen.

Wolken ziehen auf und ich genieße noch die letzten Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht, als ich am Ufer verweile und den idyllischen Anblick von Seerosen, die von schillernden Libellen umschwirrt werden, wahrnehme. Im trüben Wasser kann ich einige Fische, und bei genauerem Hinsehen auch einen braunen Frosch, gut getarnt im Schilf, ausmachen.

Ich freue mich darüber, den Kindern am nahen Spielplatz beim Klettern und Schaukeln zuzusehen und beende meine Tour bei der Wotrubakirche am Georgenberg, in deren hohen Glasfenstern sich die allmählich aufziehenden Gewitterwolken widerspiegeln. Wie aus dem Nichts macht sich auf einmal ein frischer Sturm auf und meine Schritte beschleunigen sich, ich strebe heimwärts.

© Silvia Peiker 2020-11-04

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