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#hoffnung#kriegszeit

And nobody will come

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And nobody will come | story.one

"The girl saw her first troop parade and asked,"What are those?""Soldiers.""What are soldiers?""They are for war. They fight and each tries to kill as many of the other side as he can."The girl held still and studied."Do you know... I know something.""Yes, what is it you know?""Sometime they'll give a war and nobody will come."

BerĂŒhrende Worte, die zwar Bertolt Brecht zugeschrieben werden, jedoch tatsĂ€chlich aus Carl Sandbergs Feder flossen. Der Pulitzer-Preis Gewinner wurde nicht nur fĂŒr seine umfassende Biografie des 16. PrĂ€sidenten der Vereinigten Staaten, Abraham Lincoln, sondern eben auch fĂŒr dieses Zitat bekannt, welches von der Autorin Charlotte Keyes 1966 in die Welt hinausposaunt wurde: STELL DIR VOR, ES IST KRIEG, UND KEINER GEHT HIN:

Dieser bedeutungsvolle Satz brannte sich wĂ€hrend eines klassenĂŒbergreifenden Schulprojektes in der Oberstufe in Erinnerung an die Staatsvertragsunterzeichnung Österreichs am 15. Mai 1955 in mein GedĂ€chtnis ein und ist leider gegenwĂ€rtig aktueller denn je. Was wĂ€re, wenn die russischen MĂŒtter ihre Söhne daheim behielten, die russischen EhemĂ€nner ihre Familien nicht verließen, und dem Krieg somit eine Abfuhr erteilen wĂŒrden? Und das Unheil durch diese Weigerung gar nicht erst ausbrechen könnte?

Ausbrechen, ein Verb, das den Ausbruch einer Pandemie, eines Vulkans, Verbrechers oder eines wilden Tieres aus dem KÀfig suggeriert. Wer hindert uns daran, die Bestie hinter GitterstÀben verrotten zu lassen? Wer lÀsst sie frei?

Es gibt so viele unterschiedliche Völker auf unserer Erde, warum sehen wir meist die Unterschiede und nicht die Gemeinsamkeiten? Gemeinsam ist uns allen, dass wir einen großen Schatz in Form von VĂ€tern, MĂŒttern, EhemĂ€nnern, Ehefrauen, Lebensmenschen, Töchtern und Söhnen hĂŒten. Nicht LĂ€nder und BodenschĂ€tze sind das Salz in unserer Lebenssuppe, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, die wir eigentlich, da wir mit ihnen durch gemeinsame liebevolle Bande verbunden sind, davor schĂŒtzen sollten, verletzt oder noch schlimmer, getötet zu werden.

Aufgewachsen bin ich mit Wolfgang Borcherts Drama "Draußen vor der TĂŒr", das von den traumatischen Problemen des Soldaten Beckmann, der aus dreijĂ€hriger Kriegsgefangenschaft heimkehrt, handelt. Seine unbequemen Fragen will niemand beantworten, sein ausgehungertes Herz will an das Gute im Menschen glauben, an NĂ€chstenliebe und Hoffnung auf immerwĂ€hrenden Frieden. Diesen wĂŒnsche ich von ganzem Herzen den leidenden Menschen in der Ukraine. Heute frage ich mich, könnten wir den Krieg nicht draußen, vor der fest verschlossenen TĂŒr, lassen 


Eigenes Foto: Michela Ghisetti, Aged Hands

© Silvia Peiker 2022-02-27

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