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#1sommer1buch

Arachnophobie

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Arachnophobie | story.one

Garfield ist ein richtiger Angsthase. Sogar die Amseln ahnen, dass von ihm keinerlei Gefahr ausgeht. Wenn sie ihn im Freien antreffen, haben sie reichlich Zeit, um gemĂ€chlich im Zeitlupentempo wegzuhĂŒpfen. Mit seinen zehn Jahren probiert er es eben mit GemĂŒtlichkeit und sieht keinen Sinn darin, Vögeln nachzujagen. Vor einem prĂ€chtigen Fasan, der sich einmal aus dem nahen WĂ€ldchen in unseren Garten verirrt hatte, ist er rasch ins Haus geflĂŒchtet. Ich weiß nicht, wer heftigeres Herzklopfen hatte, der große Vogel oder der Kater.

Eine Maus hat er zwar einmal im Haus gefangen, aber auch nur, weil wir ihm dabei behilflich waren. Er verfolgte die Maus durchs ganze Haus bis ins Arbeitszimmer, wo sie sich hinter einem Regal im hintersten Winkel des Raumes verschanzte. Dort wartete er geduldig, dass das MĂ€uschen endlich wieder sein Köpfchen zeigte, aber es wagte sich nicht aus seinem Versteck. So trieben wir es mit einem Besen aus der schĂŒtzenden Ecke raus und somit direkt in Garfields Maul. NatĂŒrlich hatte ich Mitleid mit dem armen Nager, aber eine Maus im Haus stellt ein hohes Gesundheitsrisiko dar.

Ganz anders Leila, die außer ihrem prominenten Bauch nichts mit einer BauchtĂ€nzerin gemein hat. Sie fĂ€ngt leider mit Vorliebe Schmetterlinge und so schnell kann man gar nicht schauen, ist sie auch schon mit ihrem Opfer im Schlafzimmer verschwunden, um sich daran in unserem Bett genĂŒsslich zu delektieren. Ja, die Katze bekommt genug zu fressen!

Einmal brachte Leila eine monströse, schwarze Laufspinne ins Bett. Alle MĂ€nner waren verreist und ich hatte es mir mit einem spannenden Buch schon gemĂŒtlich gemacht, als ich bemerkte, wie die Tatze der Katze immer wieder unter die Decke neben mir langte.

Völlig ahnungslos nahm ich an, dass der Stubentiger mit einem der unzĂ€hligen Zopfgummis spielen wĂŒrde, die er meiner Tochter stĂ€ndig stibitzte. Als ich die Decke zurĂŒckschlug, kreischte ich so laut, dass meine Tochter aufgeschreckt angelaufen kam. Auch die Spinne musste sich erschrocken haben, denn sie krabbelte wie der Blitz unter das Kopfkissen. Nun lugten nur noch zwei hĂ€ssliche Beine hervor und wir beiden Frauen, ohne mĂ€nnlichen Beistand gĂ€nzlich schutz- und hilflos, hofften natĂŒrlich auf Leilas Hilfe.

Doch die Katze hatte wohl nicht bemerkt, dass die schaurige Spezies der Arachnida ein neues Versteck gefunden hatte. Selbst als wir kleine BĂ€lle auf den Polster warfen, ignorierte Leila die Spinne vor ihrer Nase gĂ€nzlich. Mit ihrer UnterstĂŒtzung konnten wir also nicht rechnen. Verzweifelt versprĂŒhten wir fast den Inhalt eines Insektensprays, um schließlich doch noch die Flucht zu ergreifen, da der Gestank unertrĂ€glich war.

Diese Nacht schlug ich mein Nachtlager im Zimmer meines Sohnes auf. Am nÀchsten Morgen landete dann das verblichene Spinnentier anstatt im Bauch unserer Katze in dem des Staubsaugers.

© Silvia Peiker 2020-09-25

crazyanimalsKatzengeflĂŒster

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