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#kunstvoll

Culture Diversity

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Culture Diversity | story.one

Mein Herz hüpft vor Freude, Museen, Theater, und andere kulturelle Tempel haben ihre Tore endlich wieder für ihr von mehreren Lockdowns ausgehungertes Publikum geöffnet. Und die Wiener Museen locken Kulturbegeisterte mit teilweise neu arrangierten, interessanten Ausstellungen und ermäßigten Eintrittskarten in ihre Hallen.

Nach der langen Wartezeit trete ich, ausgerüstet mit Screenshot vom negativen Corona-Testergebnis und obligatorischer Maske, meine Erkundungstour in der Albertina Modern an, die seit 2020 im renommierten, im historischen Ambiente des 19. Jahrhunderts, restaurierten Künstlerhaus am Karlsplatz logiert. Während die aktuellen Ausstellungen des Künstlerhauses nun im oberen Stockwerk zu finden sind, beherbergen die beiden unteren Geschoße ein buntes Gemälde- und Skulpturenmix heimischer und internationaler Künstler*innen wie etwa Andy Warhol, Gottfried Helnwein, Maria Lassnig, Erwin Wurm und vielen mehr.

Das letzte Mal, ich gestehe, folgte ich mit meinen beiden Töchtern eher der süßen Verlockung des Schokoladebrunnens, der im Zuge der langen Nacht der Museen als Attraktion im Künstlerhaus aufgebaut worden war, und weniger den für meinen Geschmack manchmal nicht enträtselbaren Kunstwerken der Avantgarde. Aber da ich Mysterien liebe, gebe ich nicht auf und ich versuche, die Inspiration, der das Werk ihren Ursprung verdankt, zu erkennen.

Zuerst einmal stapfe ich ins Untergeschoß, wo mich die Sammlung von Schwarz-Weiß-Fotografien des Japaners Nobuyoshi Araki fesseln. Besonders beeindruckt mich seine „Sentimental Journey“, die den Betrachter schonungslos am durch Krankheit bedingten, langsamen Dahinscheiden seiner jungen Ehefrau Yoko und seiner zweiundzwanzigjährigen Katze Chiro teilhaben lässt. Der Fotograf setzt in seinen Bildern Unerfreuliches wie Tod oder verwelkte Blumenarrangements in Szene, das, was uns normalerweise abstößt, womit wir uns nicht auseinandersetzen möchten oder können.

Fasziniert versinke ich in der Momentaufnahme einer plastisch anmutenden Regenlache, an deren Oberfläche Regentropfen wie Perlen schweben, bis sie schließlich in einem Muster von konzentrischen Kreisen zerfließen. In meinen Gedanken bin ich wieder ein kleines Mädchen, erlebe das Aufspritzen des trüben Regenwassers, als ich in die tiefste Untiefe der Pfütze hüpfe.

Eindrucksvoll ist auch Arakis Debutserie über die fröhlichen Geschwister Satchin und Mabo, die beide ein karges Leben in einem Arbeiterviertel in Tokio fristen.

Erinnerungen an meine kreativen Experimente mit Schulkindern werden wach, als ich Materialien wie Glitzer, Glas, Holz, Metall und Plastilin auf den beeindruckenden Gemälden einen Stock höher entdecke. Eingebettet in eine Vielfalt von Ideen, ausgeführt von Künstler*innen unterschiedlicher Nationalitäten für ein internationales Publikum erlebe ich hier Diversität vom Feinsten, fühle mich wie ein Globetrotter eins mit der Welt.

© Silvia Peiker 2021-06-03

KunstFeuerchen — KünstlerKolonie

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