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Damenroulette

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Damenroulette | story.one

Ich blicke hoch zu Heinrich VIII, der mitten in der großen Halle, umgeben von prächtigen historischen Kostümen, Hof hält. Keine Sorge, sein Geist möge weiter in der St. George’s Chapel in Windsor Castle neben seiner geliebten Jane ruhen. Eigentlich sehe ich mir nur die Filmkostüme zur Serie WOLF HALL in Berkeley Castle an, die des Königs Kampf um Macht und Thronfolger aus dem Blickwinkel seines engsten Beraters, Chancellor Thomas Cromwell, mit historischer Präzision visualisiert.

Bei meinem ersten Trip nach Edinburgh kann ich Waterstones nicht ohne Alison Weirs fesselndes Werk THE SIX WIVES OF HENRY VIII verlassen. Schon im Flieger stecke ich bis über beide Ohren im spannenden Thriller, den kein Genie des Sturm und Drangs je hätte ersinnen können. Fasziniert tauche ich ein in Intrigen, Liebe und Tod, leide mit Katharina von Aragon, die das Pech hat, nach dem plötzlichen Ablebenihres Gemahls, Prinz Arthur, mit dessen jüngerem Bruder, dem späteren Heinrich VIII, verheiratet zu werden. Nachdem sie dem König nur eine lebende Tochter schenkt und alle männlichen Säuglinge kurz nach der Geburt sterben, ist der verzweifelt um seine Nachfolge besorgte Heinrich bald auf der Suche nach einer jüngeren Frau.

Die findet er in der verführerischen Anne Boleyn, die es geschickt versteht, dem Monarchen den Kopf zu verdrehen. Auch ihr sechster Finger, den sie unter den langen Ärmeln ihrer Roben verbirgt, und der zur damaligen Zeit als Makel betrachtet wird, kann Heinrich nicht davon abhalten, sich von der nicht mehr nützlichen Katharina, zu trennen. Und das gegen den Willen des Papstes Clemens IV, der im Falle einer Eheauflösung droht, den mächtigen Monarchen zu exkommunizieren.

Da hat der Kirchenfürst aber die Rechnung ohne Heinrich gemacht, denn der König gründet kurzerhand seine eigene anglikanische Kirche und verbannt die kranke Katharina in das weit entfernte Castle Kimbolton, wo sie drei Jahre nach Heinrichs Heirat mit der Rivalin stirbt. Aber auch diese Verbindung ist nicht von Glück gesegnet. Da Anne nicht den ersehnten Thronfolger gebären kann, wird sie nach ihrer Einkerkerung im Tower wegen Hexerei und Unzucht mit ihrem Bruder enthauptet.

Die Dritte im Bunde, Jane Seymour, schenkt ihm zwar einen männlichen Erben, stirbt jedoch im Kindbettfieber. Die Trauer währt nicht lange und Heinrich ehelicht Anna von Kleve, die ihn aber wegen ihres unangenehmen Geruchs und ungefälligen Äußeren abstößt. Holbein hatte der deutschen Braut auf seinem Gemälde wohl in künstlerischer Freiheit angenehme Züge verliehen.

Die Ehe wird annulliert und Anna großzügig abgefunden. Kurz darauf entflammt der alternde Heinrich für die blutjunge Anne Howard. Wieder muss ein Kopf rollen, als er von Annes Untreue erfährt. Die Sechste, die schon ältere, besonnene Katherine Parr, pflegt den König, der an einer alten Turnierverletzung leidet, bis zu seinem Tod im Jahr 1547.

Eine spannende Geschichte, die das Leben schrieb.

Foto : Berkeley Castle

© Silvia Peiker 2021-11-27

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