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#berge#unbeschwertesreisen#lieblingsfilm

Das Leben ist wirklich schön

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Das Leben ist wirklich schön | story.one

“In die Berg' bin i gern, und da g'freit si mei G'müat.” Leise summe ich diesen Kanon, den ich mit meiner lieben Mutter auf vielen Wanderungen gesungen habe.

Wir sind wieder im Ländle unterwegs. Es ist früher Vormittag und das moderne Raubrittertum schlägt zu. Wir berappen Straßenmaut für die Silvretta Hochalpenstrasse, die wir gerne für den Luxus einer bestens ausgebauten Bergstraße bezahlen.

Unermüdlich schraubt sich unser SUV die kurvenreiche Fahrbahn hoch und bald schon glänzt das helle Türkis des Silvretta-Stausees in der warmen Herbstsonne. So wie die meisten Frischluftfanatiker wählen wir den auch für wenig geübte Bergwanderer geeigneten Panoramaweg, der uns erst im zweiten Drittel der Strecke mit atemlosen Steigungen fordert.

Im klaren Wasser des höhstgelegenen Stausees der Illwerke spiegelt sich malerisch der Piz Buin im Bunde mit seinen steinernen Gefährten und lässt die Herzen der Hobbyfotograf*innen höher schlagen. Plötzlich öffnet sich vor uns eine hohe, halbrunde Öffnung im Berg. Beim Betreten des dunklen Bergwerkstollens umfängt uns wohltemperierte Orgelmusik und eine zauberhafte Lichtinstallation leuchtet uns den Weg durch den Stollen. Meine Gedanken kreisen um Tolkiens Zwerge, die sich ihr Reich aus dem felsigen Inneren der Berge gehauen haben. Von diesen Wichteln ist es nicht weit zu Guidos Rätsel, das er dem deutschen Arzt Dr. Lessing im Film DAS LEBEN IST SCHÖN stellt:“Von den Zwergen zum Schneewittchen; löse das Rätsel in der Zeit, die die Antwort dir vorgibt.”

Wir brauchen keine sieben Minuten, um vom Dunkel ins gleißende Sonnenlicht zu treten und im herrlichen Flair der alpinen Landschaft die Bestätigung zu erhalten, dass das Leben wirklich schön ist. Ich wähne mich im Paradies und sauge die würzige Bergluft tief in meine Lungen, erfreue mich an himmlischen Klängen, wundervoller Flora und ehrfurchtgebietenden Bergstöcken.

Der Rundweg neigt sich dem Ende zu, die gewaltige Staumauer lädt Wagemutige dazu ein, mithilfe eines Klettersteigs aus schwindelnder Höhe in die Tiefe zu kraxeln. Auch Guidos Leben besteht aus Höhen und Tiefen und trotz seiner Zugehörigkeit zum Judentum, die ihn und seinen Sohn bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ins Konzentrationslager bringt, ist er stets voll Hoffnung, diese schwere Zeit zu überstehen. Sein Einfallsreichtum und seine Frohnatur garantieren seinem Sohn ein Überleben in einer Welt, die trotz allen Widrigkeiten lebenswert ist. Guidos Lebenslicht erlischt im Kugelhagel seiner Feinde, aber die Erinnerung an ihn lebt in seinem Sohn weiter.

So wie diese mächtigen Berge in vielen Jahrtausenden gewachsen sind, so benötigen wir oft viele Lebensjahre, um das Spiel des Lebens zu begreifen. Für Guido ist das Leben ein Spiel im wahrsten Sinne des Wortes, denn er spielt bis zuletzt mit seinem eigenen Leben, um das seines Sohnes zu bewahren. DAS LEBEN IST SCHÖN ist ein Film, den es lohnt, immer wieder anzusehen, um zu begreifen: La Vita è Bella!

© Silvia Peiker 2021-09-21

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