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Das Minack

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Das Minack | story.one

Hohe Wellen brechen sich an der felsigen Küste und schneeweiße Gischt spritzt dem klaren Himmel entgegen, von dem der gelbe Feuerball unbarmherzig auf die rautenförmigen Steinplatten der Bühne des Amphitheaters brennt. Die Julisonne taucht Schauspieler und Publikum gleichsam in ihr natürliches Scheinwerferlicht und ihre Strahlen tupfen glitzernde Punkte auf das tiefblaue Antlitz des Atlantiks.

Von unserem luftigen Platz aus überblicken wir die Global Production, wähnen uns im mediterranen Griechenland. Weit gefehlt, denn wir befinden uns im Minack Theater in Cornwall, nur wenige Meilen von Land’s End entfernt, wo wir von der Aufführung „A Chorus of Disapproval“ von Alan Ayckbourn und der herrlichen Aussicht bezaubert werden.

Wir fühlen uns wie die Queen, denn ich habe die Tickets für die Parodie, die die italienische Oper aufs Korn nimmt, schon lange im Voraus erworben.Dieser Umstand beschert wohl dem besten aller Väter, unseren Kindern und mir die besten Plätze auf einem in Stein gehauenen Balkon gleich über der Bühne, dessen cremiges Weiß infolge Seeluft und Witterung einem dunklen Grau gewichen ist. Gleich neben unserer Balustrade streckt sich noch eine weitere Brüstung über die Spielfläche, auf der immer wieder Darsteller im historischen Outfit, begleitet von einem Orchester, Arien, aber auch Folk Songs, schmettern. Die Darbietung der Künstler bietet nicht nur einen Ohren- und Augenschmaus, auch unsere Lachmuskeln erhalten ein ausgiebiges Training.

Minack entstammt dem Kornischen meynek und bezeichnet einen felsigen Ort. Als wäre es gestern gewesen, spukt die Bewunderung für jene außergewöhnliche Frau, die ihre Leidenschaft zum Theater mit der Errichtung dieser außergewöhnlichen Freiluftbühne krönte, in meinen Gedanken herum.

Rowena Cade, die selbst keine Schauspielausbildung genossen, aber ein Talent für das Nähen von Kostümen hatte, versammelte gerne Theaterbegeisterte in ihrem Anwesen nahe dem Minack Felsen, um meist Shakespeares „Ein Mittsommernachtstraum“ oder „Der Sturm“ aufzuführen. Bald wurde der Garten aber zu klein und in ihrem Kopf nahm die Idee, über dem Minack Rock eine Bühne zu bauen, Gestalt an. Im Winter 1930 schleppte die Visionärin mithilfe von zwei kornischen Handwerkern Steine aus höheren Regionen und vom nahen Sandstrand herbei, und legte so den Grundstein zum Bau des einzigartigen Freilichttheaters in England.

Leider reichten die Einnahmen, die ihr die kurze, oft von Wind und Wetter vereitelte Spielzeit einbrachten, nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken und Cade musste die Schulden mangels staatlicher Förderungen aus eigenen Mitteln berappen. Im Alter von 80 Jahren übergab sie ihr mit Liebe und Schweiß errichtetes Theater einer Stiftung, die die Spielzeit verlängerte und die Werbetrommel rührte, um das Minack weltweit bekannt zu machen. Nun endlich erhielt die britische Doyenne die Anerkennung, auf die sie viel zu lange gewartet hatte.

© Silvia Peiker 2021-03-01

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