skip to main content

#dersinndeslebens#lockdown30klappe

Einfach sein

  • 202
Einfach sein | story.one

Ich öffne eine WhatsApp Nachricht meiner lieben Cousine Hanni, und schon versinke ich im Song „Einfach sein“. Der bayrische Liedermacher Willy Astor findet genau die richtigen Worte für das, was wesentlich ist, worauf es ankommt im Leben:

Leg deine Maske in einen Fluss.

Gib einer wildfremden Oma einen Kuss.

Lache mal laut in den Spiegel hinein.

Beschließ einfach, glücklich zu sein.

Mit Maske war wohl 2017, als das Lied geschrieben wurde, nicht jene gemeint, mit der wir uns in den vergangenen Monaten vor dem Covid-Virus schützen sollten. Und da wir zurzeit nicht einmal unsere engsten Verwandten küssen sollen, ist das Abbusseln von wildfremden Menschen ohnehin tabu. Aber wir können unsere Larven, hinter denen wir uns verstecken, um unser wahres Ich zu verbergen, getrost abnehmen, einen langen Blick in den Spiegel werfen und beschließen, trotz aller leidigen Maßnahmen, die unser Dasein momentan erschweren, die Mundwinkel nach oben zu ziehen. Geben wir dem Glück eine Chance, besinnen wir uns auf unsere Stärken. Erinnern wir uns an Antoine de Saint-Exupérys weise Worte: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Ich möchte mit Zuversicht ins neue Jahr gehen, möchte mich an den einfachen Dingen des Lebens erfreuen, gemeinsam mit Familie und Freunden auf bessere Zeiten hoffen. Natürlich ist mir bewusst, dass gerade die Einfachheit eine Kunst ist, die erst gelernt werden will. Die Tage sind meist angefüllt mit vielem, von dem wir meinen, wir müssten es bewältigen. Wir jagen oft Träumen hinterher, die gar nicht unsere eigenen sind. Wir eifern anderen nach, immer auf der Suche nach mehr, nach noch tolleren Urlauben, einem größeren Haus, leistungsstärkeren Auto, mehr Mammon. Dabei verlieren wir uns selbst, unser persönliches Glück aus den Augen. Glück bedeutet für mich zurzeit, dass alle, die ich kenne und schätze, gesund bleiben.

Ich war nicht immer so bescheiden. Denn die Jagd nach beruflicher Verwirklichung, nach einem gut entlohnten Job, hat mich meine Gesundheit gekostet. Ich habe die Gefahrensignale meines Körpers ignoriert, denn ich entstamme einer Generation, in der man zu funktionieren hat. Selbst mit großen Schmerzen bin ich noch meiner Arbeit in der Kinderbetreuung nachgegangen, denn während meiner Ausbildung wurde mir eingetrichtert: Krank sein, geht nicht. Wer soll sich dann um die Schulkinder kümmern?

Danke, Hanni, meine gute Fee, dass du mir dieses wunderschöne Lied geschickt hast. Wenn das Graue in meinem Alltag wieder die Oberhand gewinnen möchte, wenn mein Hang zum Perfektionismus sich regt, dann werde ich mich vor den Spiegel stellen, Grimassen reißen und über mich selbst lachen. Im Versuch, mich von der Anspannung zu befreien und einfach fallen zu lassen, werde ich mich erinnern:

Mach den Versuch wieder einfach zu sein.

Ein Tisch, ein Stuhl, ein Kerzenschein,

ein Blatt Papier, zwei Herzen, ein Reim

Einfach: Einfach sein.

Foto: Jan Huber. www.unsplash.com

© Silvia Peiker 2021-01-02

Der Sinn des LebensLockdown - 3.(0) Klappe

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.