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Entenrennen in Taleybont-on-Usk

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Entenrennen in Taleybont-on-Usk | story.one

Ich schließe meine Augen und im Nu weile ich wieder am lebhaften Cui Brook, der leise gluckernd als kristallklares Band den weitläufigen Garten im Herzen des Brecon Nationalparks säumt. Große und kleine Steine mit unterschiedlicher Maserung ruhen in seinem bewegten Bett, bilden Wirbel, sodass sein Wasser entweder über die Hindernisse sprudeln oder daran vorbeifließen muss.

Ein Entenrennen ist gerade im Gange, viele gelbe Gummienten, die normalerweise in der Badewanne schwimmen, werden nun von der schwachen Strömung, manche schneller, andere wiederum im Schneckentempo, zur Ziellinie beim Pub getrieben. Einige bleiben auf der Strecke, als sie zwischen den Steinen, ihr Schwänzchen in der Höh‘, kopfüber stecken bleiben. Die Waliser feuern ihre stummen Enten, die nicht quaken, an, und obwohl das Startgeld einem guten Zweck zukommt und in diesem Fall kein Gewinn winkt, sind die meisten Wangen der Wettbewerbsteilnehmer gerötet.

Ich kann dieses lustige Spektakel bequem von meiner Gartenliege aus beobachten, sonne mich bei 30 Grad C im Schatten auf dem weichen Rasenteppich vor dem Schwimmbecken, das so wie die großzügige Steinterrasse mit einem gemauertem Fischteich und den restlichen 4000 Quadratmetern Gartenfläche zum Herrenhaus gehören, das im schmucken Dörfchen am Ortsanfang hinter hohen Buchen vor neugierigen Blicken verborgen die Jahrhunderte überdauert.

Nachdem alle Enten den Bach hinunter getrieben sind, schlendere ich leichten Schrittes über den weichen Rasenteppich und verharre verwundert unter den ausladenden Ästen eines Olivenbaums, dem als Exot das raue walisische Klima offensichtlich nichts anzuhaben scheint. Ich folge dem betörenden Duft des Rosengartens und entdecke gleich dahinter einige frisch geharkte Gemüsebeete und das Freigehege für die Hühner, die gackernd in der Erde scharren.

Ich drehe eine Runde vorbei an prächtigen Blumenrabatten, gefüllt mit Hortensien, Rhododendren, Lupinen, Farnen, Yucca und anderen Ziergehölzern und komme wieder zum Pool. Dort führt mich ein mit groben Steinen gepflasterter Weg entlang des munter plätscherndes Baches unter einer Trauerweide hindurch zu einem mit reichlich Schilf bepflanzten, verträumten Teich. Lautes Summen lässt mich aufhorchen, und beim Näherkommen entdecke ich einige Bienenstöcke, deren emsige Bewohner gemeinsam mit einer Libelle über die unbewegte Oberfläche des Weihers schwirren.

Jeden Morgen freue ich mich darauf, von meinem Fenster im ersten Stock aus die bunte Vogelschar zu beobachten, wie sie mit den heimischen, roten Eichhörnchen, die aus dem nahen Wäldchen auftauchen, um ihr Futter streiten. Dabei klettern die putzigen Akrobaten auf das Dach des großen Futterhäuschens, langen mit den kurzen Vorderbeinen in dessen runde Öffnung, um von den Sonnenblumenkernen zu naschen.

In meinen Gedanken bin ich noch immer dort, versunken im Licht- und Schattenspiel des Feuerballs auf der grünen Wiese, träume …

© Silvia Peiker 2021-04-11

ReisenReif für die Insel

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