skip to main content

#familienwahnsinn

Erste Worte

  • 127
Erste Worte | story.one

Wie alle jungen Eltern freuten auch wir uns unbĂ€ndig darauf, endlich die ersten Worte aus dem Munde unseres Nachwuchses zu vernehmen. Bei unserer Tochter verlief alles genau nach Plan, und nachdem wir fleißig mit ihr geĂŒbt hatten, krĂ€hte sie uns bald mit krĂ€ftiger Stimme MAMA, PAPA, JA, aber auch vehement NEIN entgegen. Warum ausgerechnet dieses negativ besetzte Wort?

Das Wörtchen NEIN wird ja von unseren JĂŒngsten quasi bereits mit der Muttermilch aufgesagt, denn kein Partikel der Ablehnung wird so hĂ€ufig gebraucht wie dieser. Kaum schiebt sich unser Winzling robbend auf das nĂ€chstgelegene Regal zu, fliegt ihm auch schon ein lautes, erbostes NEIN um die Ohren.

NEIN, Papas Modellflieger ist tabu (eigenhÀndig zusammengeklebt)!

NEIN, nicht an den Knöpfen des Herdes drehen, das darf nur Mama!

Warum eigentlich, fragt sich der kleine Möchtegernkoch, und probiert es gleich noch einmal. Was wiederum ein kreischendes NEIN zur Folge hat.

Schon denkt man wehmĂŒtig an die Zeit zurĂŒck, als der sĂŒĂŸe Knirps noch relativ unbeweglich auf der Krabbeldecke ruhte und sich sĂ€mtliche Nippes und StaubfĂ€nger in Sicherheit vor kleinen neugierigen Grapschfingern wĂ€hnen konnten.

Das Kind muss ja ein komplexes Sprachsystem erwerben, und wĂ€hrend man die kindlichen Laute zwischen seinem 2. und 3. Monat noch mit Gurren in Verbindung bringt, hat sich das Baby zwischen dem 6. und 9. Lebensmonat schon mittels Lauschangriffe in die Sprachmelodie seiner Umgebung bereits eingehört, was als kanonisches, immer wiederkehrendes Lallen zum Ausdruck kommt. Interessant dabei ist, dass französische Babies anders lallen als deutschsprachige. So stelle ich mir im Geiste französischstĂ€mmige Winzlinge vor, die mit unverkennbarem, verfĂŒhrerischem Akzent “Olala” intonieren, wĂ€hrend unsere Sprösslinge beschwingt “lalala la lala lala” im Walzerrhythmus trĂ€llern.

Das erste Wort unseres Sohnes war MAMA, das zweite Wort stellte besonders fĂŒr den besten aller VĂ€ter eine herbe EnttĂ€uschung, ja eine regelrechte Niederlage, dar. „ATU, ATU!“, tönte ihm freudig lachend anstatt einem einstudierten „PAPA“ entgegen. Das konnte bald aufgeklĂ€rt werden. Da wir ja an einer stark befahrenen Bundesstraße wohnten, fiel sein Blick durchs Fenster auf die in allen Regenbogenfarben vorbeiflitzenden Autos. Und diese sah er leider öfter als seinen arbeitenden Vater.

Die JĂŒngste von dreien ĂŒberraschte uns schließlich mit dem ungewöhnlichen Wort FLIEGE. Sobald wir auf der Terrasse weilten, gellten ihre angsterfĂŒllten Schreie durch den Garten: „FLIEGE, FLIEGE!“ Ich dachte schon, ich mĂŒsste einen Psychologen hinzuziehen, denn Stubenfliegen, besonders fette, schwarze, sind eklig und brummen laut. Sie sind aber leider oft anzutreffen und ich konnte ja nicht sĂ€mtliche Pucks in meiner Peripherie erschlagen. Bis mir eines Tages dĂ€mmerte, dass mit FLIEGE “Flieger” gemeint war, und diese zogen ĂŒber unseren Köpfen ihre unermĂŒdlichen Flugbahnen und dröhnten laut.

© Silvia Peiker 2021-01-06

familienwahnsinnHoppalas, die uns zum lachen bringen

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich ĂŒber Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.