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Fang die Stille ein

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Fang die Stille ein | story.one

Nichts vermag besser die Gedanken zu klären, den Herzrhythmus zu verlangsamen, die Sinne zu öffnen, als ein Spaziergang im Wald. Diese herrliche Stille, die die atmenden Bäume sanft umfängt, nur hie und da unterbrochen vom melodiösen Zwitschern eines Vogels, dem entfernten Rascheln eines Blattes, wenn ein feines Lüftchen sachte wie ein entfernter Hauch durch die hohen Wipfeln weht.

Manchmal ist es auch die Stille vor dem Sturm, vor dem Gewitter, die den Forst erstarren lässt. Es ist, als ob alle Bewohner des Waldes, alles Lebendige, Flora und Fauna, den Atem anhalten, innehalten, zur Ruhe kommen, um sich gegen die bedrohlichen Elemente zu wappnen.

Vergleichbar mit dem japanischen „ma“, das die Stille zwischen den Tönen meint. Denn ohne Stille kommt dem Ton keine Bedeutung zu, jedes Musikstück erlangt erst durch seine Pausen Vollkommenheit. So ist es auch mit der leisen Musik des Waldes, dem harmonischen Miteinander von Jahreszeiten und Witterung, die einander bedingen.

Selbst im Buchstabenwald ist die Stille allgegenwärtig, wird beim Versinken in ein gutes Buch spürbar, beinahe greifbar, dringt aus uns selbst heraus und begleitet uns überall hin. Diese innere Stille gleicht frisch gefallenem Schnee, der leise aus dem wolkenverhangenen Himmel rieselt. Verträumte Schneeflocken, die alle Geräusche, mitunter auch das Brummen der vierrädrigen Flockenwickler, dämpfen.

Der Ursprung meines Vornamens ist im lateinischen silva, dem Wald, verwurzelt. Mit diesem Namensgeschenk haben mir meine Eltern unbewusst die Liebe zur Natur, zum grünen Tann, in die Wiege gelegt.

Früher habe ich das lichte Wäldchen in der Nähe meines Wohnhauses im Laufschritt durchmessen, habe mich eher auf gleichmäßiges Atmen und auf das regelmäßige Abrollen von Vorfuß und Zehen konzentriert. Im Herbst des Lebens angekommen, bin ich zwar auch nicht gerade langsam unterwegs, aber ich hetze keinem Fitnessideal mehr hinterher, sondern ich genieße es, in meine stille Wohlfühloase einzutauchen.

Während ich das prächtige Farbspiel des Blätterwaldes bewundere und das modrig-feuchte Aroma des verwelkten Laubs einatme, summe ich in Gedanken versunken die Lyrics von Simon und Garfunkel: „And the vision that was planted in my brain still remains within the sound of silence."

© Silvia Peiker 2020-10-18

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