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Fensterln für Anfänger

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Fensterln für Anfänger | story.one

Sommersonnenwende. Überall kracht und knallt es, kleine Kracher fliegen uns um die Ohren. Wir sind mitten drin im feurigen Spektakel rund um das Fest des Heiligen Johannes, tanzen und genießen unsere Flitterwochen im größten Club von Eivissa, Ibiza-Stadt.

Das Gedränge auf der Tanzfläche wird immer dichter und bald schon springen die ersten in den Pool der Disco, tauchen unter im erfrischenden Nass. Auch wir landen mit einem lauten Platsch im Wasser und erblicken über uns die samtene Schwärze des Sternenhimmels, in die schon die ersten Raketen ihre Muster zeichnen. Das grelle Aufleuchten und rasche Verglühen von grünen Palmenblättern und in den Farben des Regenbogens schillernden Fontänen konkurriert mit dem beständigen Strahlen der Himmelskörper über dem unbewegten Meer. Die beiden Elemente, die Johannes dem Täufer zugeschrieben werden, werden symbolisch durch das Wasser als Zeichen der Reinigung und der Fruchtbarkeit während der Taufe und das Feuer für das ewige Licht widergespiegelt.

Wie neugeboren fühlen wir uns nach dem erfrischenden Bad, und nachdem uns ein Taxi wieder nach Portinatx gebracht hat, schlendern wir noch recht aufgedreht durch unsere mit viel Grün bepflanzte, schlummernde Ferienanlage, begleitet vom monotonen Konzert der Zikaden. Bis mich das Rascheln der Blätter über unseren Köpfen aus meinen Gedanken schreckt. Aber es ist nur ein Schwarm Fledermäuse, auf der Jagd nach Insekten, der zwischen den dunklen Umrissen der Baumkronen sichtbar wird.

Die gelbe Scheibe des Mondes leuchtet uns den Weg wie ein Scheinwerfer und erhellt die schmale Bucht in der Ferne, den einzigen Zugang unserer Anlage zum Meer. Einsam und verlassen liegt der Sandstrand vor uns und wir überlegen, noch einmal eine Runde schwimmen zu gehen. Doch kaum haben wir unsere Zehen in die Wellen getaucht, ist es vorbei mit der wohltuenden Ruhe.

Nein, dieses Mal ist es kein Feuerwerk, das den Sommerbeginn zelebriert, sondern lautes Grölen, das von den weiß getünchten Mauern der zweistöckigen Gebäude wie ein Echo widerhallt. Wir schnappen unsere Siebensachen und laufen neugierig zu den Ferienhäusern, wo sich uns ein eigenartiger Anblick bietet.

Zwei junge Briten haben eine ziemlich windschiefe Räuberleiter in dem Bemühen gebildet, sich Zugang über den Balkon in eine Wohnung im oberen Stockwerk zu verschaffen. Fensterln sollte eigentlich im Stillen vor sich gehen, so kenne ich das aus diversen Heimatfilmen. Aber Ibiza ist anders und das amouröse Ziel der Einsteiger, zwei hübsche junge Burgenländerinnen auf Maturareise, sind von den Avancen ihrer Verehrer, die ihren Verstand mit billigen Cocktails ersäuft haben, offensichtlich gar nicht entzückt und froh, dass wir ihnen zu Hilfe eilen.

Meinem frisch Angetrauten gelingt es mit Helmuts Hilfe, den wir ja vom Schnorcheln kennen, die feuchtfröhliche Partie zu verjagen, und die gerettete Maria lädt uns Jahre später zu ihrer Hochzeit in Wien - es ist kein Brite - ein.

© Silvia Peiker 2021-04-07

ReisenReif für die Insel

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