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#schulzeit

Guck mal, wer da nistet

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Guck mal, wer da nistet | story.one

Au, ich hab‘ mir in den Finger gestochen!“ jammerte Marvin und steckte seinen ramponierten Zeigefinger in den Mund. Leider war er beim Bohren abgerutscht, da musste der Viertklässler wohl noch etwas zielen üben. Aber das Gehäuse des Nistkastens war schon festgeschraubt, es fehlten nur noch ein paar Kleinigkeiten.

Sehr gefreut hatte ich mich über die Einladung der Klassenlehrerin der 4 b, gemeinsam mit ihren Schüler*innen und den Kindern der Nachmittagsbetreuung Nisthilfen zu bauen.

Zuerst einmal erklärte uns Marion, die eine Ausbildung zur Naturpädagogin absolviert hatte, den Nutzen von künstlichen Nisthilfen. Da der natürliche Lebensraum unserer gefiederten Freunde leider durch ausgedehnte Baumaßnahmen, vor allem im städtischen Raum, immer mehr verloren geht, und alte und morsche Bäume nur noch selten in Gärten anzutreffen sind, ist es sinnvoll, für Meisen und Rotschwänzchen, die in unseren Breiten sehr häufig anzutreffen sind, behagliche, selbst gefertigte Brutplätze zur Verfügung zu stellen.

Marion hatte die Bausätze aus hellem Fichtenholz schon mitgebracht und die Burschen und Mädchen begannen zuerst damit, die Rückwand mit dem Boden zu verschrauben. Die meisten Kinder stellten sich sehr geschickt dabei an. Wie gut, dass nun auch die Mädchen technischen Werkunterricht erhalten.

Im Anschluss daran wurden die Seitenteile verleimt, wobei einige Zappelphillipps ungeduldig auf das Trocknen des Holzleims warteten. Danach schraubten wir den Kasten auf die Dachlatte und kamen zum schwierigsten Teil, nämlich zum Anpassen der Vorderseite. Da die Klappe ja nach Ende der Brutzeit aufklappbar sein soll, mussten wir dazu zwei lange Schrauben in das weiche Holz befördern. Um das lose Brett zu verschließen, brachten wir zwei kleine Häken an.

Das runde Einflugloch hatte unterschiedliche Durchmesser, je nachdem, welche Vogelart sich einnisten wollte. Für Blaumeisten waren die kleinsten Löcher gedacht, die größeren für Kohlmeisen, Sperlinge und Rotschwänzchen.

Mit dem Nagelbohrer, den wir ja schon vom Kastanienbasteln kannten, mussten kleine Löcher in den Boden gebohrt werden, um im Inneren für eine ordentliche Belüftung zu sorgen. Zum Abschluss noch ein Finish aus Leinöl, und schon war das Häuschen vor Feuchtigkeit und Pilzbefall geschützt.

Bald schon hingen unsere Häuschen an ruhigen, vor Sonne geschützten Plätzen in Parks und Alleen. Nun mussten wir nur noch auf zwitschernde Gäste warten.

Nistkästen erfüllen auch im Winter einen wichtigen Zweck, da sie nicht nur kleinen Vögeln, sondern auch Eichhörnchen und Schmetterlingen eine warme Schlafstube bieten. Auch in meinem Garten hängt ein Nistkasten, den mein Vater einst gezimmert hat. Er hat nicht nur Vogeleltern und ihren Nachkommen Zuflucht gewährt, sondern auch ein süßes Eichkätzchen an kalten Tagen beherbergt, dass sich so an seinem Vorrat an Haselnüssen und Walnüssen von unseren Sträuchern und Bäumen delektieren konnte.

© Silvia Peiker 2021-05-08

Alles Schule oder was Klima- und Umweltschutz

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