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#storyone#storyoneverbindet

Handverlesen

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Handverlesen | story.one

Staunend entdecke ich etwas völlig Unerwartetes auf der blank polierten Fläche des kleinen Glastisches. Sogleich habe ich das vertraute Format und das zentrierte weiße Feld, das dem stimmungsvollen Titel HANDVERLESEN des Buches strahlende Präsenz verleiht, erkannt. Neugierig blättere ich in den ersten Seiten des Sammelbandes meines von mir sehr geschätzten story. one Kollegen Heinz-Dieter Brandt und finde heraus, dass auch noch ein zweiter Band namens HANDGEFLÜSTER, in der auch Isa Hörmanns wunderbare Geschichte über Hände nachzulesen ist, existiert. Einige Namen der Autor*innen springen mir wie alte Bekannte ins Gesicht und ich bleibe gleich bei deren Kurzgeschichten rund um die magischen und äußerst nützlichen Funktionen unserer Hände hängen.

Wahrend Heinz-Dieter diese treffend als Summe aller Finger bezeichnet, erreicht Moana mithilfe ihrer athletischen Hände sportliche Höchstleistungen. Gerührt lese ich, wie gekonnt es Maria Model mit ihrem Wortspiel geHANDicapped gelingt, das schwere Schicksal ihres Bruders Siegfried uns Leser*innen näherzubringen.

Beim Weiterschmökern entdecke ich Victorias eloquente Schwärmerei für schöne Männer- und Mama Isi Doras von mir geteiltes Faible für zarte Kinderhände. In Melly Mojitos weisen Händen laufen sämtliche Fäden ihres Lebens zusammen, während Desiree von ihrer Handvoll Glück erzählt, einem, so finde ich, lebensnotwendigem Elixier.

Ich teile Anita Gürths Ansicht, dass die Hände unserer Mütter einzigartig schön sind, und als Hobbygärtnerin verstehe ich Doris Wallners Vorliebe fürs in der Erde Graben mit nackten Händen und die Sehnsucht von DasGrosseW, die das sanfte Streichen der Hände über ein Kopfkissen auslöst.

Beeindruckend finde ich Rosarias Helfers Beschreibung der pflegenden Hände und ich bin zu Tränen gerührt, als ich von den Händen von Aurora 24 lese, die zum letzten Mal den Sohn umfangen.

Ich werde aufgerufen. In der glücklicherweise kurzen Zeitspanne, in der mein Zahnarzt meine heilen Beißerchen begutachtet, kreisen meine Gedanken rund um die schönen Erzählungen dieses Buches, das ich wie einen für alle sichtbaren Schatz im Wartezimmer entdeckt habe. Dank meiner wortgewandten Kolleg*innen habe nun auch ich Lust bekommen, eine Story über unser wichtigstes Tast- und Greifwerkzeug aufs virtuelle Papier, sprich auf die story.one Plattform, zu bringen.

Im Gespräch mit dem Besitzer der Zahnarztpraxis erfahre ich, dass dieses Buch von einer Patientin, deren Account leider nicht mehr auf story.one vorhanden ist, deponiert wurde, um die Wartezeit von Leidensgenoss*innen zu verkürzen. Mich begeistert diese Idee und ich darf in Zukunft auch meine geistigen Ergüsse rund um WAS WÄRE EINE WELT OHNE TIERE? als unterhaltsame Lektüre während der bangen Warterei auflegen.

Beim nächsten Zahnarztbesuch werde ich mich in Susan Mary Kuldkepps Shortstories vertiefen. Jetzt freue ich mich fast schon aufs nächste Mal!

© Silvia Peiker 2021-08-19

storyone#rezension

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