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Heimweh nach der Fremde

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Heimweh nach der Fremde | story.one

„Aye, nice to meet you, I’m Ian,“ oder so ähnlich. Für unsere Ohren klingt diese kehlige, stakkatoartige Begrüßung so, als würde ein Holzfäller mit viel Getöse Kleinholz hacken. Unsere Kommunikation macht während unseres dreiwöchigen Aufenthalts in Littlehampton leider keinerlei Fortschritte. Immer wenn unser Gastgeber mit seinen harten, vom schottischen Dialekt gefärbten Tiraden loslegt, macht sich Verständnislosigkeit auf unseren Gesichtern breit, während sich Ians Mundwinkel zu einem breiten Grinsen hochziehen. Was für ein Glück, dass Jill, seine spaghettidünne Frau, Engländerin ist. So können wir unser Schulenglisch an ihr und ihren drei quirligen Kids erproben, und es dauert nicht lange, und ich träume in englischer Sprache.

Eine weitere Herausforderung stellt Sheila, der gutmütige Schäferhund der Familie, dar, da meine Freundin Gusti panische Angst vor Hunden hat. Leider führt der einzige Zugang für die Hündin zum winzigen Garten durch unser Zimmer, das sich gleich neben der Garage befindet und, wenn keine Feriengäste im Haus sind, von den beiden Töchtern bewohnt wird. Das bedeutet, Gusti schließt sich in der Toilette ein, während ich den braven Vierbeiner ins Freie lasse.

Die kleine Stadt breitet sich so wie die nahen Badeorte Brighton und Worthington an der sandigen Atlantikküste aus, und unsere Ausflüge zum Strand, zum ersten Mal baden im Meer, bleiben unvergessliche Eindrücke. Ich kann mich noch lebhaft an die Nester der Röhrenwürmer erinnern, die bei Ebbe leblosem Seetang gleichen und bei einsetzender Flut, wieder zum Leben erwacht, ihr feines, fächerartiges Sieb entfalten, mit dem sie ihre Nahrung fischen.

Es ist Juli, die Temperaturen erklimmen stolze 30 Grad und das kühle Wasser des Atlantiks bietet eine willkommene Abkühlung. Wir dürfen unsere nassen Badeanzüge in der Strandkabine eines freundlichen, älteren Ehepaars wechseln, das im Hotel at the Sea logiert.

Zwei junge Engländer erkundigen sich bei uns, ob wir Schwedinnen sind. Da sich Gusti ihre Mähne weißblond wie Marilyn Monroe gefärbt hat, gar keine abwegige Idee. Wir verabreden uns für den nächsten Tag und schwingen unsere Hüften vergnügt zu Donna Summers Hit “Hot Stuff” in der Disco in Brighton. Das Delfinarium lassen wir aus, wir wollen uns nicht am Leid der gefangenen Säuger ergötzen, da spazieren wir lieber auf der historischen Promenade mit unseren neuen Verehrern und genießen unsere Double Ice Cream.

Diese, meine erste Reise zur keltischen Insel, war für mich wie heimkommen an einen Ort, der schon immer auf mich gewartet hat. Die frische Meeresbrise, die sacht über die Sandstrände und über unsere Köpfe streicht, viele hilfsbereite Engländer, die nie müde werden, uns Auskunft zu geben, wenn wir nach dem Weg fragen, unsere Ausflüge mit der Fähre auf die Isle of Wight und mit der Bahn nach London, sind viele Gründe, um wiederzukommen, um noch tiefer ins Land der Angeln, die zu den germanischen Stämmen zählen, einzutauchen.

© Silvia Peiker 2021-04-01

ReisenReif für die Insel

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