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#leidenschaft

Hilfe, ich hab' den Virus!

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Hilfe, ich hab' den Virus! | story.one

Und er hat mich ordentlich erwischt! Passend zum infektiösen Tumult in meinem Kopf erhellt die Nachttischlampe mit ihrem schummrigen Schein die letzten, spannend geschriebenen Seiten von „Die Verratenen, ‚Die “Verschworenen” und „Die Vernichteten“. Ursula Poznanskis Triologie zählt eigentlich zur Jugendliteratur, was nicht bedeutet, dass nicht auch Erwachsene in diesen Thriller eintauchen dürfen, und befasst sich, verpackt in eine eloquent ersonnene Story, mit einem brandaktuellen Thema, das ja in unser aller Gedanken gleich einer endlos wirbelnden Spirale seit mehr als einem Jahr seine Pirouetten dreht. Gespickt mit l’amour, Abenteuer und Suspense genau das Richtige in meiner prekären Lage.

Meine Wangen glühen, es ist, als würde mich ein Feuer innerlich verzehren. Schlaflos wälze ich mich zwischen den feuchten Laken. Kaum im süßen Schlummer versunken, schrecke ich bei jedem kleinsten Geräusch hoch, denn in meinem Kopf reichen fiktive Ideen und fantasievolle Hirngespinste einander die Hände, und machen es mir nicht gerade leicht, sie voneinander zu unterscheiden.

Was so ein Fieberwahn alles bewirken kann, besonders in Kombination mit nahezu vollkommener Isolation von der Außenwelt. Geistesblitze zucken durch mein Bewusstsein, machen mir bewusst, dass eine mögliche Genesung lediglich durch wohltuende Ruhe und kreative Besonnenheit erwirkt werden kann. Ich muss mich wohl in mein Schicksal fügen, denn eine Heilung ist noch lange nicht in Sicht.

Ich habe keinen blassen Schimmer, wann mich dieser Virus aus seinen Klauen entlässt, wie lange ich noch als seine Gefangene wie Rapunzel im schwindelig hohen Turm der fiktiven Wortkreationen und des Fabulierens eingeschlossen bin. Aber die Worte und Sätze erklimmen nicht an Rapunzels langem Zopf mein aufgezwungenes Verlies, nein, sie schwirren um mich herum und wollen eingefangen werden.

Mir ist klar, dass das Schmieden von Geschichten auf story.one mir hilft, dieses Weggesperrt-Sein von liebgewordenen Gewohnheiten, wie Theaterbesuche, Kaffeehaustratsch mit Freund*innen oder sinnfreiem Shoppen ohne Angst vor Ansteckung im Nacken, zu ertragen. Auch diese quälende Ungewissheit, wann der ganze Wahnsinn endlich ein Ende hat.

Ja, das ist Jammern auf hohem Niveau, verpackt in eine Story, die meine glühende Leidenschaft, zu schreiben, in Worte fasst, in die Welt zu euch hinausträgt.

„Unsere Leidenschaften sind wahre Phönixe. Wie der alte verbrennt, steigt sogleich der neue wieder aus der Asche hervor.“

Treffender als Goethe kann ich nicht beschreiben, wie es ist, wenn ich meinen imaginären Federstil in die Tinte tauche, damit eine neue, körperlose Idee Gestalt annehmen kann. Und diesen sich stets reproduzierenden Virus möchte ich nicht mehr missen, da ist hoffentlich kein Kraut dagegen gewachsen.

(eigenes Foto) Gemälde v. John William Waterhouse: Lady of Shallot

v. John William Waterstone: Lady of Shallot (Tate Gallery)

© Silvia Peiker 2021-04-20

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