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Ich nehm' mein Wichtelmädchen an der Hand

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Ich nehm' mein Wichtelmädchen an der Hand | story.one

Plötzlich dichtes Schneegestöber, dann wieder wolkige Wattetupfer, die ein kühles Lüftchen wie Schäfchen über das strahlendblaue Himmelsdach treibt. Zwischen den weißen Zuckerwattefetzen lugt ein heller Feuerball hervor, der den Wiener Wald bis in den letzten verschlungenen Winkel im Unterholz auszuleuchten scheint. Wenn ich nicht wüsste, dass am Wochenende die zweite Kerze unser Wohnzimmer mit seinem sanften Schein verzaubern und für fantastische Schattenspiele sorgen wird, müsste ich denken, ein närrischer Wettergott schickt noch einmal den launigen April vorbei.

Diese himmlischen Kapriolen halten mich jedoch nicht davon ab, den weitläufigen Lainzer Tiergarten zu erkunden. Und das in guter, jedoch virtueller Gesellschaft meines Wichtelmädchens. Ich reiche meiner Kollegin PURPLEVANITY, mit der mich die Leidenschaft fürs Storyfäden Verweben verbindet, die behandschuhte Hand, und gemeinsam schlüpfen wir durch das Laaber Tor.

Die Laubbäume haben ihr Laub schon längst abgeworfen und recken ihre kahlen Äste und Zweige nebst Fichten, Föhren und Tannen in luftige Höhen. Ich erzähle ihr von meinem ersten Besuch im ehemaligen kaiserlichen Jagdgebiet, von meinem und meiner Großmutter laut klopfenden Herzen, als eine Bache mit ihren gestreiften Frischlingen unseren Weg kreuzte.

Durchs Lesen deiner einfühlsamen Geschichten weiß ich, dass du dir nicht nur Gedanken über die familiäre Vergangenheit machst, sondern auch gerne, so wie ich, in Erinnerungen schwelgst, die unser Leben bereichern. Du hast Humor und schenkst den Lesehungrigen Erzählungen von interessanten Reisen, und ich gestehe dir begeistert, dass mich “Hemingways Rache” bestens unterhalten hat. Denn seine Schilderung vom stoischen Überlebenskampf des alten Mannes mit den Geschöpfen des Ozeans hat sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt und so wie bei dir Spuren hinterlassen.

Nachdem wir das nächste Tor passieren, kommen wir an die erste Weggabelung und biegen Richtung “Hermesvilla” ab. Auch hier stürzen nostalgische Erinnerungen an die Besichtigung der ehemaligen Sisi-Villa, auch Schloss der Träume genannt, auf mich ein. Das imposante Gebäude, dessen Bauweise eher einem kleinen Palast ähnelt, soll der stets auf Wanderschaft befindlichen Kaiserin Ruhepol und Rückzugsort vom steifen Zeremoniell der Hofburg geboten haben. Sisis Badezimmer, im Habsburgerreich eine Novität, wurde mit einem Eintrag im Tagebuch ihrer jüngsten Tochter, Marie Valérie, staunend quittiert. Maler wie Makatsch und Klimt hinterließen ihre berühmten Pinselstriche in Elisabeths Gemächern und bald schon kommt die imposante Hermesstatue, die der Villa ihren Namen verleiht, in Sicht.

Liebe rätselhafte PurpleVanity, ich wünsche dir einen besinnlichen Advent, ein Ankommen in der nun wahrlich stillsten Zeit des Jahres. Ich bedanke mich für deine Begleitung auf meiner Gedankenreise und wer weiß, vielleicht gibt es einmal ein Wichteltreffen …

© Silvia Peiker 2021-12-04

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