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#nachhaltigkeit

Ironwoman und Naked Chef

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Ironwoman und Naked Chef | story.one

Stark wie Ironwoman schleppe ich das unhandliche Bügelbrett ins Wohnzimmer, um noch kurz vor Mitternacht zum ersten Mal eine neue Kochshow, während ich den Berg lästiger Bügelwäsche abarbeite, genauer unter die Lupe zu nehmen.

Manuela, meine treue Freundin aus Kindheitstagen, glättet Knitterfalten aus Hemden und Kleidern nur, wenn der quirlige britische Kochstar enthusiastisch seinen Kochlöffel schwingt. Da muss bei Manuela, die ja eigentlich beim ersten Hahnenschrei aus den Federn springt und deshalb zeitig ins Nest schlüpft, der Funken in Form eines sexy, Kochlöffel schwingenden Kerls übergesprungen sein. An der englischen, berühmt-berüchtigten Küche kann es ja nicht liegen, wenn das Early Bird kurz vor der Geisterstunde noch das heiße Eisen schwingt.

In meinem Kopf malt ein frohlockender Pinsel fantasievolle Bilder vom feschen, musikalischen Chef de Cuisine, der wie ein Derwisch um den heißen Herd tänzelt und dessen Drumsticks auch virtuos über Trommel und Becken flitzen, wenn er mit seinen Bandkollegen musiziert.

Aber anstelle eines vom Fitnesscenter gestählten, stämmigen Protagonisten erblicke ich einen zwar talentierten und engagierten, jedoch enttäuschend durchschnittlich aussehenden Fernsehkoch. Kein Adonis, kein Mister Universum, der mein Durchhalten zu später Stunde gespickt mit ermüdender Hausarbeit gerechtfertigt hätte.

Stattdessen aber werde ich mit der witzig-spritzigen Performance des sympathischen Newcomers belohnt, der die englische Küche mit seinen kulinarischen Leckerbissen aus dem Dornröschenschlaf küsst und diese in eine köstliche Ballrobe à la Cinderella kleidet. Zwar kein Beau, dafür aber ein Kochkünstler, der mit reichlich Olivenöl und frischen Kräutern eine Lanze für die mediterrane Küche bricht. Für mich kein Problem, denn ich liebe olio d’oliva!

Ab dieser Stunde hat uns das Jamie Oliver Virus gepackt und wir kochen, als lägen wir im Wettstreit, die einfachen Gerichte des Naked Chefs nach; manchmal mit Pannen. Während Jamie lässig tiefgefrorene Beeren im hochwertigen Mixer zerkleinert, hat Manuelas Küchenhelfer letztes Stündchen geschlagen, als sie Jamies Früchte Parfait ausprobieren möchte.

Auch Jamies wohlmeinender Rat, dass man Koriander im Garten des Nachbarn findet, trifft auf heimische Gemüsegärten nicht zu. Trotzdem werde ich fündig und entdecke das aromatische Gewürzpflänzchen im Kräuterbeet meiner armenischen Freundin in Niederösterreich.

Sein Geniestreich „Cook clever mit Jamie“ trifft den Zeitgeist und zeigt, wie aus geschickt verwerteten Resten köstliche Speisen entstehen und genießbare Lebensmittel davor bewahrt werden, auf dem Kompost zu landen. Nachhaltig kochen mit biologisch hochwertigen Zutaten aus der Region ist Jamies Maxime, der Manuela und ich von nun an nacheifern.

Ein Besuch in Jamies Italian Covent Garden mit Blick in die Schauküche während eines Londontrips liefert den kulinarischen Beweis - yummi!

© Silvia Peiker 2021-05-05

Zauberhafte Küchengeschichten

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