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#humor

Ist das skurril

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Ist das skurril | story.one

Wenn die Katze aus dem Haus ist, feiern die Mäuse Kirtag. So auch während meiner Tätigkeit als Kanzleikraft, als der Chef auf wohlverdientem Urlaub in Italien schwitzte. In seinem Büro befand sich ein Telefonapparat, der ein Zusatzgerät hatte, mit dessen Hilfe ein zweiter das Gespräch mithören konnte. Lautsprecher gab es damals noch keinen.

Meine quirlige Kollegin Evamaria, deren Einfallsreichtum schier unerschöpflich war, hatte die zündende Idee des Telefonstreiches. Keine war dazu besser geeignet als unsere Putzfee, der es mühelos gelang, ohne eine Miene zu verziehen und angeblich im Auftrag der Post, Evamarias Verflossenen zu überzeugen, seine Telefonschnur zu vermessen. Was dieser auch tat und die Länge seiner Strippe mit mehr als 2 Metern angab. Frau Berger war ganz in ihrem Element und mahnte den Armen, nochmals nachzumessen, denn ein ungefähres Messergebnis sei bei der Post nicht erwünscht. Nun, die österreichische Hörigkeit in Bezug auf Ämter tat das Ihrige und der auf den Leim Gegangene machte sich nochmals daran, die Maße seines Kabels mithilfe eines Maßbandes zu eruieren.

Evamaria wiederum spielte einmal unabsichtlich unserer Perle einen Streich. Immer wieder erhielten wir von unseren frisch gebackenen Konditormeistern nach bestandener Meisterprüfung zuckersüße Köstlichkeiten. Da wir Girls jedoch akribisch auf unser Gewicht achteten, naschten wir nur wenig. Und im Laufe der Wochen wuchsen in den einst so köstlichen Pralinen leidlich unerwünschte Proteine heran. Als meine Kollegin die weißen Würmer entdeckte, entfernte sie die Dose sogleich vom Schreibtisch und deponierte diese samt grausigem Inhalt auf dem Fensterbrett der schummrigen Büroküche. Der nächste Tag bescherte uns reichlich Arbeit und wir verschwendeten keinen Gedanken mehr an das Gewürm, bis Frau Berger sich bei uns für das wohlschmeckende Konfekt bedankte.

Solche Anekdoten kursierten bei einem Kaffeeklatsch mit Freundinnen, wobei wir in unseren Gedächtnisnischen kramten, um die bizarrsten ans Licht zu befördern.

Selbst Kleiderständer können bisweilen zur Komik beitragen, auch wenn die Thematik, die ausverhandelt wird, eine ernste ist. Einer unserer Kunden hatte lange Zeit seinen Schuldenberg nicht beglichen und stand kurz vor der Pfändung. Da die kleine Konditorei jedoch nicht viel Gewinn abwarf, tat er mir natürlich leid. Während meine Bosse über seinen Fall beratschlagten, lief er aufgeregt in unserer Kanzlei auf und ab. Mitfühlend bot ich ihm ein Glas Wasser an. Er schüttelte nur den Kopf, fixierte die rechte Ecke und seufzte: "Ich wär' jetzt gern dieser Kleiderständer, dann könnte ich nebenan hören, ob ich einen Zahlungsaufschub bekomme, und das Warten hätte ein Ende. Von nun an sah ich Kleiderständer mit ganz anderen Augen, und der Klient konnte sich über Ratenzahlungen freuen.

Den Vogel schoss jedoch Gerti, die bei einem bekannten Diskontsupermarkt an der Kasse ihre Brötchen verdiente, ab.

© Silvia Peiker 2022-02-24

Alltagskomik

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