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#bĂŒcherliebe

Klara und die Sonne

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Klara und die Sonne | story.one

Wieder beschleicht mich dieses seltsame GefĂŒhl der Leere, wenn ich ein gutes Buch aus der Hand lege, das ich zu Ende gelesen habe. Die letzte Seite des fantastischen Plots hinterlĂ€sst eine vage Trauer, die ich mir noch im alten Jahr von der Seele schreiben möchte.

Obwohl, eigentlich hinterlĂ€sst der kurze Ausschnitt aus Klaras Lebensgeschichte, den mir der japanische Autor gewĂ€hrt, einen positiven Beigeschmack, eigentlich eine Lehre fĂŒrs Leben. Der NobelpreistrĂ€ger Kazuo Ishiguro, der mit seinem Roman DAMALS IN NAGASAKI Furore machte und dessen Werk WAS VOM TAGE ÜBRIG BLIEB unvergesslich ist, schafft es immer wieder, mit seinen feinfĂŒhligen Kompositionen seine Leser*innen nachdenklich zu stimmen, schenkt ihnen Hoffnung und Zuversicht.

Ishiguro schreibt ĂŒber eine Welt, in der KĂŒnstliche Intelligenz dabei helfen soll, Jugendliche beim Heranwachsen, beim hormongesteuerten Wechsel vom Dasein als Kind in die Welt der Erwachsenen zu unterstĂŒtzen. Auch die dreizehnjĂ€hrige Josie darf sich ihre eigene KI in einem Laden aussuchen, in dem der besonders empathische Roboter Klara sehnsĂŒchtig darauf wartet, seinen Zweck zu erfĂŒllen.

Klara ist zwar nicht das neueste Modell auf dem Markt, aber bestens geeignet, um der schwer kranken Josie eine sensible GefĂ€hrtin zu sein. Sie ist die einzige, die darauf vertraut, dass Josie, obwohl die Krankheit schon ihre Ă€ltere Schwester dahingerafft hat, wieder gesunden wird. Ihre vom Vater getrennt lebende Mutter hat jedoch andere PlĂ€ne, sie möchte fĂŒr das schlimmste Szenario vorsorgen. Sie hat Klara in der Absicht erworben, dass diese Josie als Tochter ersetzen soll.

Die Mutter hat jedoch nicht mit Klaras unerschĂŒtterlichem Glauben an Heilung gerechnet. Denn diese will die Kraft der Sonne, die auch ihre eigenen Speicher auffĂŒllt, dazu nĂŒtzen, Josie von ihrem Leiden zu befreien. UnterstĂŒtzt wird sie bei ihrem Vorhaben vom Nachbarjungen Rick, dessen Herz fĂŒr die Kranke schlĂ€gt.

Ich kann mich noch gut an die magische Kraft der Sonnenstrahlen erinnern, die wĂ€hrend unseres 14-tĂ€gigen Aufenthalts in Irland in einem verregneten Wolkenmeer miteinander verstecken spielten. Nur an einem einzigen Tag hatte der Himmel aufgeklart und ich beobachtete die Fahrzeuge, die den dĂŒsteren Bauch der FĂ€hre, die uns ans andere Ufer des Shannon brachte, verließen. Jedes einzelne Lenkergesicht zierte dank des energiespendenden Feuerballs ein strahlendes LĂ€cheln, das die Stimmung in null komma Josef hob.

Fast ist es eine Beschwörungsformel, wenn ich Udo JĂŒrgens sonorer Stimme lausche:

Denn immer wieder geht die Sonne auf,

Und wieder bringt ein Tag fĂŒr uns ein Licht.

Ja, immer, immer wieder geht die Sonne auf,

Denn Dunkelheit fĂŒr immer gibt es nicht.

Die gibt es nicht.

Nun bleibt mir nur noch euch allen ein sonniges Neues Jahr zu wĂŒnschen! Mögen euch viele Sonnenstrahlen auf all euren alten und neuen Wegen begleiten und euch ein LĂ€cheln unter die obligatorischen Masken zaubern! Prosit Neujahr!

© Silvia Peiker 2021-12-30

BĂŒcherliebeHoffnung#rezension

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