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#1sommer1buchtirol

Knackwurst und Nacktschnecken

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Knackwurst und Nacktschnecken | story.one

"Mama, die Knackwurst ist schon zu dick!" stellte meine Tochter unlängst erschrocken fest.

"Wir könnten mit ihr ja Agility machen", schmunzelte ich.

Unserer Katzendame Leila ist das Sättigungsgefühl scheinbar abhandengekommen, denn jeder, der sich der Küche auch nur wenige Schritte nähert, wird von ihr mit aufgestelltem Schwanz umgerannt und lautstark um Futter angekrächzt. Angekrächzt im wahrsten Sinne des Wortes, denn als liebliches Miauen kann man Leilas heiseres Krächzen wirklich nicht bezeichnen.

Selbstverständlich füttern wir die fordernde Nebelkrähe wie ein Wickelkind rund um die Uhr, vom mitternächtlichen Snack bis zum ersten Frühstück liegen nur wenige Stunden. Warum wir das tun? Wenn die Knackwurst nämlich keine nahrhafte Zuwendung erhält, springt sie uns an und umklammert dabei mit beiden Vorderpfoten und ausgefahrenen Krallen unsere Waden. An warmen Tagen sehen unsere nackten Beine oft wie Landkarten aus, nur dass die roten Linien keine Wanderwege markieren, sondern Leilas Unmut mit ihren Futterknechten.

Vielleicht sollten wir aber doch mehr Snacks auf die Futterkarte setzen, denn seit neuestem hat Leila ihre Vorliebe für glitschige Nacktschnecken entdeckt. Diese schleppt sie unermüdlich ins Haus, wo sie dann im Vorraum oder Wohnzimmer ihre gemächlichen Schleimspuren ziehen.

Gestern entdeckte ich, oh Graus, einen großen Schleimpatzen mit undefinierbarem Inhalt auf der Decke meines Bettes, den die Knackwurst offensichtlich beim Versuch, etwas auszukotzen, hinterlassen hatte. Gerade, als ich mit spitzen Fingern den Überzug wechseln wollte, erblickte ich völlig perplex eine braune Nacktschnecke auf dem Schlafzimmerboden, die auf ihrem glänzenden Schleimteppich dahingleitend unter dem Nachtkästchen verschwinden wollte. Offensichtlich hatte die Knackwurst auf meinem Nachtlager einen vergeblichen Versuch gestartet, ihr Opfer unzerkaut hinunterzuwürgen. Nun, das war der stets hungrigen Katze offensichtlich nicht geglückt.

Ich frage mich, warum die Knackwurst bloß Schnecken fängt? Fließt etwa französisches Blut durch ihre Adern, wodurch sich ihr Appetit auf Schnecken erklären ließe? Ist sie etwa zur Feinschmeckerin geworden, weil unser Zuhause unweit einer bekannten Schneckenfarm liegt?

Aufgrund der Schneckenplage in unserem Garten hatte ich schon daran gedacht, indische Laufenten zu mieten, bei denen Nacktschnecken ja als Delikatesse gelten. Das ist jetzt nicht mehr notwendig, denn anstatt schnatternder Schneckenvertilger beherbergen wir eine krächzende österreichische Hauskatze in unseren vier Wänden, einschließlich Garten, die sich als maunzende Schneckenliebhaberin entpuppt hat. Beinahe täglich liefert sie nun den Beweis, dass sie uns von der Schneckenplage befreien kann. Da bleibt nur noch zu wünschen und zu hoffen übrig: Tempo, kleine Schnecke!

© Silvia Peiker 2020-09-24

crazyanimalsKatzengeflüster

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